Wieder gelesen

Bücher, entstaubt

Politik | BT | aus FALTER 40/14 vom 01.10.2014

Neoliberale Unbildungsindustrie

Schon vor acht Jahren lieferte Konrad Paul Liessmann eine beißende Kritik am vorherrschenden Bildungsdiskurs ab. Damals stand vor allem die Ökonomisierung und Industrialisierung des Wissens im Zentrum seiner Polemik. Sie zerstöre das humanistische Ideal von Bildung als "Programm der Selbstformung des Menschen", schrieb er. Die "Millionenshow", der Kennziffernfetischismus des Wissensmanagements und -als dessen Höhepunkt - die Pisa-Studie seien zeitgenössische Auswüchse dieses Trends. Daraus entstehe eine Halbbildung unter neoliberal verschärften Bedingungen, schlussfolgerte Liessmann in Anspielung auf Theodor W. Adornos Text "Theorie der Halbbildung" (1959). Verloren gingen die ursprüngliche Idee von Bildung, Neugier und die Lust an der Erkenntnis. Liessmanns Buch ist ein absolut lesenswertes Zeitdokument. 2006, im Jahr seines Erscheinens, wurde die dritte Pisa-Studie veröffentlicht. Drei Jahre zuvor, 2003, hatte Österreich seinen ersten großen "Pisa-Schock" erlebt.

Konrad Paul Liessmann: Theorie der Unbildung. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft. Zsolnay 2006,175 S., € 18,40


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