Mediaforschung Verführungskolumne

Wenn die Bombe zurück in den blauen Himmel fliegt

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 40/14 vom 01.10.2014

Kampagnen aus der Zivilgesellschaft haben einige der besten Werbungen der Welt hervorgebracht. Der Spot der #withSyria-Bewegung, die das Bombardement der syrischen Zivilbevölkerung beenden will, zählt seit wenigen Tagen dazu.

Die ergreifende Geschichte beginnt mit einem Fußball, der immer höher über den staubigen Boden springt. Die Kamera begleitet ihn, bis man ruhende Körper am Boden entdeckt. Langsam fließt Blut in den Kopf eines Mädchens zurück. Steine schwirren von allen Seiten in dieselbe Richtung, bis sie sich in Zeitlupe zu einem Gebäude zusammenfügen.

Was die Werbung so besonders macht, wird schnell klar: Sie wird rückwärts erzählt - und endet mit dem eigentlichen Beginn. Fußballspielende Kinder, getötet durch eine Explosion. Die Kamera verfolgt die Bombe vom Einschlag zurück in den Himmel, wo sie ins Nichts verschwindet. Der Claim: "Wir können nicht rückgängig machen, was in Syrien passiert ist. Aber wir können ändern, wie die Geschichte ausgeht."

Dann schwenkt die Kamera ein letztes Mal zurück auf die Erde, wo unbeschwerte Kinder kicken. Die Erzählform ändert sich von rückwärts auf vorwärts. So soll es künftig aussehen. Und die Bombe soll im Himmel bleiben.

Ebenso todtraurig wie die Musikuntermalung ("Youth" von der Indie-Band Daughter) ist der Hintergrund der Kampagne: Laut der #withSyria-Bewegung sind bislang mehr als 100.000 Menschen im blutigen Bürgerkrieg gestorben.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige