Enthusiasmuskolumne

Die Tageskrawatte hat wieder Saison

Diesmal: die beste Anginaprophylaxe für den Mann der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 40/14 vom 01.10.2014

Es ist genau die Jahreszeit, wo auf einmal allerorten die Fläschchen mit dem Sonnenhutextrakt aus den Schreibtischen wachsen und alle Welt in hysterisches Anhustabwehrgefuchtel verfällt, sobald man sich anschickt, Eigenschleim auszuwerfen. Es verhält sich nämlich so: Die Luft ist voller Viren, die drauf gieren, dass wir frieren, und, zack!, schon haben wir eine Seitenstrangangina.

Der Hals wird generell unterschätzt. Man denkt, er ist bloß zum Schlucken und Headbangen gut, aber er ist ein zartbesaiteter Geselle, der deswegen auch zart behandelt, ja nachgerade verzärtelt werden will. Spätestens, wenn die Kastanien auf die Tische der Gastgärten knallen, soll man ihn vor Zug und Kälte schützen. Gemeinhin geschieht dies mit einem sogenannten Schal. Nur schenken die meisten Menschen dem Schal leider noch weniger Beachtung als ihrem Hals. Sie besitzen ein bordeauxrotes Etwas aus einem Wollepolyestergemisch. Und solange es keine Minusgrade hat, schlingt man sich sowas natürlich nicht um den Hals. Die Folge, ganz klar: Seitenstrangangina.

Deswegen soll hier an die Existenz der Schalkrawatte erinnert werden. Ja, das klingt ein bisschen nach Herrenhandtasche und Hausfrauenvorabendserie. Aber so wie man die Stutzen entnazifizieren muss, muss man die Schalkrawatte eben enthademarbankhoferisieren.

Das geht schon durch einen schlichten Namenswechsel: Man spreche die Schalkrawatte also englisch als day cravat oder Ascot tie an. Und man trage sie eben nicht wie jemand, der einem ballaststoffreiche Ernährung und Blasentee empfiehlt, sondern wie ein cooler Hund, sagen wir: Michael Caine .Das hilft dann auch bei der Auswahl der Muster, weil: Teddybärchen hat Michael Caine ganz gewiss nicht auf seiner Tageskrawatte.


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