Wölfin im Schafspelz und militantes Lamm

In ihrem nun neu aufgelegten Roman "Die Front des Lebens" erzählt Gina Kaus vom Niedergang einer Wiener Bürgerfamilie

Feuilleton | Lektüre: Klaus Nüchtern | aus FALTER 40/14 vom 01.10.2014

Am 23. Dezember 1985 verstarb Gina Kaus 92-jährig in Los Angeles. Aufmerksamkeitsökonomisch vermutlich kein gutes Sterbedatum. Die Arbeiter-Zeitung, für die sie ab den frühen 1920er-Jahren geschrieben hatte und in der 1928 auch "Die Front des Lebens" in Form eines Fortsetzungsromans von 81 Folgen abgedruckt worden war, brachte keine Meldung, das Jahr hatte prominentere Tote zu bieten, an die im Jahresrückblick vom 27. Dezember erinnert wurde: Orson Welles und Rock Hudson, Heinrich Böll und Axel Springer, Marc Chagall und Jean Dubuffet, den "Dritten Mann"-Zitherer Anton Karas und den Wiener Maler Carry Hauser.

Der Ruhm der als Regina Wiener in Wien geborenen Schriftstellerin, die in der Zwischenkriegszeit als Bestsellerautorin galt, war zu diesem Zeitpunkt schon verblasst: Ihre letzten Romane stammten aus den 40er-Jahren. Danach hatte Kaus vor allem für den Film geschrieben und unter anderem das Drehbuch für die Sandalen-Schmonzette "Das Gewand" (1953, mit Richard Burton, Jean Simmons


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