Vor 20 Jahren im Falter

Wahlkampf

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 40/14 vom 01.10.2014

Lügen hatte der Falter Jörg Haider in der Vorwoche vorgeworfen. Dabei wurde ihm medienrechtlich wohl etwas heiß (die FPÖ klagte gern und schnell), und er veröffentlichte als Anzeige folgenden Text: "Die Falter-Redaktion hat sich in vorauseilender Weise zur Veröffentlichung folgender freiwilliger Gegendarstellung entschlossen: Unwahr ist, dass es sich bei den in Falter 39/94 angeführten 15 Punkten um Lügen handelt. Wahr ist vielmehr, dass Dr. Haider Unwahrheiten verbreitet. Wir werden in diesem Sinne in Zukunft nichts anderes mehr über ihn verbreiten."

Nationalratswahlen standen an, Jörg Haider, 1990 bei 16,6 Prozent, klopfte an die 20-Prozent-Grenze, die SPÖ (43 Prozent) fürchtete, erstmals unter die 40-Prozent-Grenze, die ÖVP (32,10 Prozent) erstmals unter die 30-Prozent-Grenze zu fallen. Erstmals trat das von Heide Schmidt geführte Liberale Forum an.

Bei alldem konnte der Falter natürlich nicht ganz ernst bleiben. Schon seit Wochen brachte er eine "Falters feine Wahlvorschau" mit "Tipps für Verweigerer"."Sozialistenfresser: Den langen Einkaufssamstag nicht zu locker nehmen! Zwischen 14 und 15 Uhr bummelt der Vranzler (gemeint war Bundeskanzler Franz Vranitzky, Red.) mit Michi Häupl durch die Lugner-City, nachdem das dynamische Duo zuvor am Viktor-Adler-Markt (9.30 bis 10.30 Uhr) Äpfel und Birnen auseinanderdividiert hat.

VP-Verächter: Studenten der TU, falls ihr am Donnerstagabend noch auf der Uni seid, Hinterausgang anpeilen! Um 19 Uhr kommen in großkoalitionärer Einigkeit Bernhard Görg und Hannes Swoboda, um sich über Verkehrspolitik zu unterhalten. FP-Verächter: Jörg tourt weiter durch die Bezirke; erhöhte Vorsicht, man kann unversehens in eine FPÖ-Versammlung hineingeraten. Grün-Gegner, LIF-Lästerer: insgesamt noch vier Termine - Entwarnung.

Wahlkampfdissidenten allgemein: Licht am Horizont, gefahrloses Verweilen in weiten Teilen Wiens wieder möglich; auf jeden Fall zu meiden ist die Innere Stadt, denn dort treten die Parteien zu ihren Schlusskundgebungen an."


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