Menschen

Rad ab

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 40/14 vom 01.10.2014

Ja, ja: Ist eh bald Viennale. Aber vorher bringen wir noch zwei andere Filmfestivals hinter uns. Beim Slasher-Filmfest Slash freute sich Slash-Direktor Markus Keuschnigg über noch mehr Besucherinnen und Besucher als beim letzen Mal, prominente Gäste (Lloyd Kaufman, Julien Maury oder Actrice Béatrice Dalle, die sich allerdings nicht für den Zoo fotografieren lassen wollte) und ein ziemlich umfangreiches Nebenprogramm vom Stadtschnitzeljagdabenteuer "Nesterval" bis zum nächtlichen Zoobesuch. Den Tiergarten Schönbrunn bei Nacht und mit Nachtsichtgeräten ausgestattet zu besuchen ist tatsächlich eine tolle Sache. Gut, die Tigerinnen haben geschlafen. Aber die Pinguine waren putzmunter.

Im Urania-Kino ging Gaffa an den Start, das Filmfest für junge Erwachsene. Nämlich mit der Premiere von "God Help the Girl", dem Musicalfilm-Debüt von Belle-&-Sebastian-Mann Stuart Murdoch. Mr. Murdoch kam leider nicht persönlich nach Wien. Dafür gab der sehr junge Wiener Singer/Songwriter Robi Faustmann vor der Kinoleinwand ein reizendes Minikonzertchen. Und schließlich brachte Festivalchefin Elisabeth Lichtkoppler dann auch noch den Filmprojektor in Schwung. Mit Stefan Ruzowitzkys "Tempo" (1996) hatte Gaffa auch noch einen richtigen Klassiker im Programm. Aber muss die Jury bei jedem Film immer in der zweiten Reihe sitzen?

Wie im falschen Film kommen sich neuerdings vielleicht auch ein paar Leute in der Leopoldstadt vor. Wenn sie die Kleine Sperlgasse entlangspazieren und an der Feuermauer des dortigen Gymnasiums Schriftzüge entdecken. Dass an der Feuerwand jetzt - nächtens teilweise sogar illuminiert - "Lebensmittel","Möbel","Papier" oder "Gaststätte" zu lesen ist, ist das Verdienst von Birgit Ecker und Roland Hörmann, die den Verein Stadtschrift gegründet haben und eben solche Stadtschriftzüge vor dem Verschrotten retten. Bis auf weiteres ist nun ein kleiner Teil ihrer Sammlung im zweiten Bezirk zu sehen. Und wie meinte der Bezirksvorsteher Karlheinz Hora bei der Eröffnung der Feuermauerschau? Andere Bezirke sollten auch so was haben. Genau!

Das Mumok sollte einen Balkon haben. Fand zumindest die Künstlerin Cosima von Bonin, deren Ausstellung mit dem tollsten Ausstellungstitel des Jahres ("Hippies use side door. Das Jahr 2014 hat ein Rad ab") diese Woche eröffnet wird. Mit Balkon vorm Panoramafenster. Auf dem steht ein Männlein mit sehr langer Nase ("Der Italiener"), der sich - zumindest gestisch - in den MQ-Hof übergibt. Der Architekt Att ila Saygel hat den Balkon geplant und schon letzte Woche wurde die nanobeschichtete 650-Kilo-Konstruktion im Beisein von Künstlerin und Mumok-Direktorin Karola Kraus an die Fassade des schwarzen Blocks geschraubt.

Und dann ist natürlich noch Vienna Design Week; diesmal mit Festivalzentrale im Palais Schwarzenberg und einem großartigen Tribute an den Architekten Hermann Czech, der in den 1980ern ebendort ein bemerkenswertes Interieur gestaltet hat. Erstmals verantwortet Lilli Hollein (42) als Direktorin das Designfestival, das noch bis Sonntag läuft, alleine. Ab welchem Alter darf man eigentlich jemanden fürs Wiener Ehrenzeichen vorschlagen, Herr Mailath-Pokorny?


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