Fischers frische Fritter

Ein wunderbares Neighbourhood-Lokal macht jetzt auf Fish and Chips

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Aztekentrank | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 40/14 vom 01.10.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Streetfood sei ihnen immer schon ein großes Anliegen gewesen, erklärt Michael Vesely, Pulled-Pork-Sandwich etwa, das hier vor eineinhalb Jahren seinen ersten Auftritt in Wien erlebte. Auch Fish ’n’ Chips gab es hier im Reisinger’s am Salzgries immer schon, halt nur am Freitag, aber die Leute hätten es stets „regelrecht gestürmt“, so Vesely, hätten telefonisch reserviert und weite Wege in Kauf genommen.

Und als sie sahen, wie in den hippen Gastro-Pubs in London mit dem ehemaligen Proll-Futter umgegangen werde, und als sie dann sogar in Paris ein Lokal namens „Sunken Chip“ fanden, in dem sich die Leute für guten Backfisch mit Pommes anstellten, wuchs bei Adelheid Reisinger und Michael Vesely die Idee, das Thema Fish and Chips auch einmal in Wien zu probieren, „aber halt in guter Qualität“.

Also wird ihr kleines Lokal seit voriger Woche ab 17 Uhr und nur bis Dezember vom Reisinger’s zur „Fisherei“. Größere Umbauten waren nicht nötig, nur ein paar Craft-Biere wurden angeschafft und eine für diese Belange unverzichtbare Fritteuse aufgestellt (die sowohl die Lüftung des kleinen Lokals an die Grenzen bringt als auch das Stromnetz öfter zusammenbrechen lässt).

Weitaus wichtiger ist, dass Vesely und Reisinger guten Fisch besorgten, dicke Kabeljau-Filets mit Haut, mit schnellen, kleinen Booten im Nordatlantik gefangen, Topqualität. Und dass sie einen Backteig entwickelten, der tatsächlich grandios ist, etwas knuspriger als auf den Inseln üblich, was vielleicht daran liegt, dass Schremser Premium-Bier einverarbeitet wurde statt dem üblichen Ale (wahrscheinlich aber nicht). Und dass sie eine Mayonnaise mit Chipote-Chilis machen (€ 1,–), eine explizit grandiose Cole Slaw (€ 2,50) und eine Erbsen-Minz-Creme, die nicht nur der optische Kontrastpunkt dieses sonst ja eher gelblich-bräunlichen Gerichtes ist, sondern auch Vitamine und Fettfreiheit verspricht, wofür man bei einer ordentlichen Portion Fish ’n’ Chips ja schon ganz schön dankbar ist (€ 2,50).

Und dann wollen wir über die Chips sprechen. Dass sie zweimal frittiert werden, ist eigentlich nicht so eine Besonderheit, dass die Erdäpfel aus dem Weinviertel stammen, vielleicht schon, wer weiß, die Fritten sind jedenfalls grandios. Also so ziemlich die besten Fritten, die ich in Wien je hatte, und da waren jetzt doch schon ein paar auch recht ambitionierte Projekte dabei.

Und wenn man in diesen gebackenen Fisch schneidet, zerfällt der schneeweiße Kabeljau in seine Segmente, und das ist so schön und schmeckt so gut, dass man sofort noch einen essen würde wollen, wenn das technisch möglich wäre (ist aber halt schon sehr sättigend). Die Euphorie unter den Besuchern des ersten Tages war jedenfalls groß. Mal sehen, vielleicht geht’s länger als Dezember.

Resümee:

Ein kleines, feines Lokal macht Fish and Chips. Allerdings so gut, dass man alles, was man über den fetten Backfisch wusste, bereitwillig ver-gisst.

Fisherei
1., Salzgries 15
Tel. 0676/648 17 48
Di–Do 17–22 Uhr
www.fisherei.at


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