Ins Mark

Schlimm genug

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 40/14 vom 01.10.2014

Die Asyldebatte wird meist recht negativ geführt. Zwar ist man sich so gut wie einig, dass den Kriegsvertriebenen geholfen werden muss, aber bitte nicht in der näheren Umgebung. Gerade die Ortskaiser, wie das Land moniert, legen sich gerne quer, wenn es darum geht, Unterkünfte für Flüchtlinge zuzulassen. Dabei könnten auch waschechte Österreicher durchaus von ihnen profitieren.

Etwa der Ferdl Purgstaller. Den "VIP-Caterer" drückt der Schuh: Er führt in der an Graz angrenzenden Gemeinde Seiersberg einen Gasthof. Allerdings zum Missfallen seines Nachbarn, der ihn schon seit Jahren mit Anzeigen piesackt. Diese hätten ihn so zermürbt, erklärte der Wirt, dass "Ferdls Gasthof" nun am Ende sei.

Aber einfach zusperren? Purgstaller hat sich etwas überlegt: Er möchte seinen Gasthof zu einer Unterkunft für Asylwerber machen. Das Flüchtlingsreferat hat ihn sich schon angeschaut und als tauglich befunden. Nur der Bürgermeister von Seiersberg war anfangs strikt dagegen. Er fand, dass die Flüchtlinge in der Grazer Belgierkaserne viel besser aufgehoben wären, dort hätten sie auch mehr Bewegungsmöglichkeiten.

Eigentlich ist diese Sache nicht außergewöhnlich. Dass sie so breitgetreten wurde, liegt wohl daran, dass der Gastronom sich einer gewissen Bekanntheit erfreut. Mittlerweile hat der Seiersberger Gemeinderat einen Katalog mit genau zehn Forderungen beschlossen. Etwa dass ihnen nun doch Flüchtlinge genehm wären, aber höchstens 30. Mehr über die Befindlichkeit des Landes sagt aber ohnehin aus, was der Bürgermeister zuvor schon von sich gab: "Schlimm genug, dass wir mit dem Ferdl eines unserer Gasthäuser verlieren."

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


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