Von wegen Wutbürger, wir sind Simulationsbürger!

Der deutsche Politologe Ingolfur Blühdorn schlägt eine freudigere Lesart des Phänomens Postdemokratie vor

Rezension: Isolde Charim | Politik | aus FALTER 40/14 vom 01.10.2014

Was macht ein gutes Theoriebuch aus? Dreierlei. Der Autor muss ein guter Leser sein. Das heißt, er muss Gelesenes pointiert kritisieren können. Der Autor muss ein guter Schreiber sein, denn Einfachheit und Klarheit stehen am Ende der Gedankenarbeit und nicht an deren Anfang. Und er muss etwas zu sagen haben, er muss einen eigenen Standpunkt haben. (Frauen mögen sich mitgemeint fühlen.)

In diesem Sinne ist das Buch "Simulative Demokratie" von Ingolfur Blühdorn ein gutes, ein sehr gutes Buch.

Ausgangspunkt ist die weitverbreitete Rede von der Krise oder gar vom Ende der Demokratie, eine Rede, die im Begriff der "Postdemokratie" gipfelt. Genau da erweist sich Blühdorn als brillanter Leser - etwa wenn er Jacques Rancières komplexes oder Colin Crouchs einfacheres Konzept von Postdemokratie zerpflückt.

Postdemokratie sei keine Verfallsform der Demokratie und deshalb tauge sie auch nicht zur verkappten Hoffnungserzählung, die letztlich der Mobilisierung, der Wiederbelebung des demokratischen

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