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Jugendtage und Menschheitsdämmerung

Feuilleton | aus FALTER 40/14 vom 01.10.2014

Armes reiches Mädchen! Wie kalt kann so eine Jugend im Luxus sein. Die 51-jährige Fotografin Ela Angerer erzählt in ihrem Debütroman "Bis ich 21 war" von einer Kindheit im herzlosen Neureichenmilieu, irgendwo zwischen Imitation von Landadel und echtem Jetset. Ihre Traumata und Verletzungen schildert Angerer bildreich. Wie "purpurfarbener Regen" spritzt das Blut, als der grobe Arzt das Kind beim Gipswechseln schneidet, während die tablettenabhängigen Eltern Tage wie von "schwarzer Tinte" durchleben. Frau Mama sorgt sich mehr um das Innenleben ihrer Pelzmäntel als um das ihres Nachwuchses, und so bleibt der labilen Internatsschülerin bald nur noch die Flucht in die Drogen. In ihrer etwas blumigen Rückschau sieht sich die Ich-Erzählerin nur als Opfer, wodurch einem das Schicksal der Millionärstochter bald zu fad wird. Sich an reiche Egoisten zu erinnern gebiert eben noch nicht zwangsläufig Sozialkritik. NS

Ela Angerer: Bis ich 21 war. Roman. Zsolnay, 192 S., € 19,50

Präsentation


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