Meinesgleichen

Online ist unaufhaltsam. Lustig ist anders

Falter & Meinung | aus FALTER 40/14 vom 01.10.2014

Kürzlich durfte ich in Frankfurt beim Weltkongress der Society for News Design sprechen. Ehrfurchtgebietende Sprecherliste, darauf Art-Direktoren von Guardian, New York Times und so. Auch Veronika Illmer sprach, die Art-Direktorin von Bild und bild.de. Sie sprach gleich nach mir, was weniger der Konstellation Falter-Bild wegen pikant war, sondern weil Veronika ja einmal an unseren Leuchttischen stand und den Falter gestaltete. Ist schon etwas länger her, sie hat Karriere gemacht. Bei Axel Springer gilt ja die Parole "Online first", und das ziehen die durch, mit aller Macht. Jan-Eric Peters, der Chefredakteur der Welt, zeigte, dass Print nur mehr ein Annex von Online ist. Er mache die Welt "fit fürs digitale Zeitalter".

Im Extremfall dürfen wir Printjournalisten dort mit viel Tagesfreizeit rechnen, weil flinke kleine Textroboter uns alles wegschreiben (1200 Artikel in der Minute, oder war es Sekunde?) und wir nur mehr die wirklich tiefgehenden Sachen machen. Nachdem die wirklich guten Geschäfte mit dem Nachrichtenhype gelaufen sind. Ich wurde kleiner und kleiner, bis Javier Errea kam, der auf allen Kontinenten Publikationen gestaltet hat. Der spanische Designer sagte, er liebe hässliche Zeitungen. Technik sei Zeitverschwendung, und diese schicken Newsrooms mit dem Auge für den Chef im Zentrum und den News-Bars rundum hätten ein Manko: Das Auge sei immer leer, und die an der Bar sitzenden Redakteure würden lieber Cocktails bestellen als Zeitung machen. Errea machte mich fit. Für den Tag zumindest.


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