Nicht nur die Götter weinen

Als Saisonauftakt scheitert Anna Badora an Dennis Kellys "King Lear"-Aktualisierung "Die Götter weinen"

Steiermark | Theaterkritik: Hermann Götz | aus FALTER 40/14 vom 01.10.2014

Nein, eigene Inszenierungen galten von Anfang an nicht als die größte Stärke der Intendantin Anna Badora. Es war nicht nötig, dies zum Abschluss noch einmal unter Beweis zu stellen. Warum auch muss sich die doppelt belastete Chefin vor ihrem Wechsel ans Volkstheater noch schnell einmal an der deutschsprachigen Erstaufführung von Dennis Kellys monumentaler "King Lear"-Paraphrase versuchen? Zwar hat Kelly "Die Götter weinen" von fünf auf drei Stunden eingedampft, doch in Graz wollten die Zuschauer schon nach zwei Stunden, als endlich der Vorhang zur Pause fiel, nur mehr nach Hause. Im Auftrag der Royal Shakespeare Company transferierte Kelly den "Lear" in die Hochfinanz der Gegenwart. Vorstandsvorsitzende als Könige und CEOs als deren Feldherren - es muss dem Autor bewusst gewesen sein, dass er einer ziemlich ausgelutschten Metaphorik folgt.

Denn bereits im zweiten Akt kippt die allegorische Schlacht in ein reales Schlachten, aus Strategiespielen wird echter Krieg, aus diesem Gemetzel.


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