Phettbergs Predigtdienst

Zu Tode gefoltert, weil er so schön war

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Kolumnen | aus FALTER 40/14 vom 01.10.2014

Heute hatte ich wieder so einen interessanten Traum: Ich war als einfacher Frontsoldat im Krieg und ein gegnerischer Offizier schickte Flugzettel in die Gegend, wo draufstand: "Wenn ihr eure Waffen abgebt, herrscht Frieden." Wie immer bin ich total inbrünstig, das war ich natürlich auch im Traum: Als ich mein Sturmgewehr abgab, küsste ich es und wollte den Kuss an den Soldaten weitergeben, meinte damit den gegnerischen Soldaten. Ich spürte im Traum direkt die Konturen des Zielbolzens meines Sturmgewehrs.

Heute aß ich mittags vom Hafner ein Ringrundgebäck, gefüllt mit Schafkäse und Gemüse, serviert von meiner Heimhilfe Frau Göbel. Sir eze steht schon griffbereit parat, um meinen Körper zu duschen, dass ich nicht stinken kann, wenn Apfelstrudi uns heute zum Abendessen einlädt.

Das Ö1-"Morgenjournal" hat mir heute so ein schlechtes Gewissen gemacht, der Staat Österreich will und will keine Unterkünfte für Flüchtlinge zusammenbringen. 1.) Wegen des neuen Terrorstaates Islamischer Staat, 2.) wegen Ukraine-Flüchtlingen, 3.) wegen Syrien und Irak. Weltweit ist Hunger und ich fresse und fresse mich fett. Und alle Welt fährt Auto ohne Ende und heizt sich ein und überheizt die ganze Erde, sagt die Uno-Konferenz zur weltweiten Wetterlage.

Das Bild des dampfenden Jünglings, der gestern um sechs Uhr früh an mir vorbeizog mit dem Gilet am Leib, während ich auf den Fahrtendienst Gschwindl wartete, und ich denke ununterbrochen an Jesus und meinen Bruder Theo, der mich ohne Ende gekitzelt und gezwickt hat, wodurch ich mich als Kleinkind oft zu Tode lachen musste. Die heilige Jungfrau Maria zeugte so einen hübschen Knaben, aus nix wird nix, es wird so ein ähnlicher wunderschöner Gott wie dieser dampfende Jüngling gewesen sein, der uns Jesus gebären half? Denn auf welchem Bild du auch immer Jesus siehst, er ist immer makellos schön. So einen "schönen Mann" möchte jeder Mensch daheim haben in seinem Herrgottswinkel ... Noch dazu zu Tode gefoltert, weil er so schön war.

Sigmund Freud, der gestern vor 75 Jahren uns in London weggestorben ist. Ich zumindest bräuchte einen Vater wie Sigmund Freud, bei dem ich mich ausweinen könnte, ach weh ach weh ach weh.

Phettbergs Predigtdienst ist auch über www.falter.at zu abonnieren. Unter www.phettberg.at/gestion.htm ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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