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Falter & Meinung | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 41/14 vom 08.10.2014

Das Wichtigste zuerst: "Profiteroles und Misosuppe gammeln im Kühlschrank langsam vor sich hin ...", mahnte Tatjana Ladstätter, der gute Geist des Hauses, in einem Rundmail. Es fühlte sich natürlich niemand angesprochen, was wiederum Wurmdobler sehr erzürnte. Er schrieb von den netten Leuten, die ihre Essensreste in der Küche rumstehen ließen. Das Wort "nett" hatte er unter Anführungszeichen gesetzt. Wer Wurme kennt, weiß: Er meinte damit genau das Gegenteil.

Klaus Nüchtern meint es ernst, er will ein Buch schreiben und hat sich en passant für ein paar Monate verabschiedet. In der Redaktion brach deshalb Panik aus: Wo soll man jetzt auf die Schnelle jemanden auftreiben, der den Kollegen in den Sitzungen so verlässlich ins Wort fällt wie Nü? Das will sich keiner antun, man müsste sich ja zu jedem Einzelnen einen eigenen Spruch überlegen. Manchmal auch zwei.

Zwander ist hingegen aus seiner Bildungskarenz zurückgekehrt, er trägt jetzt sonnengegerbte Haut und Stiernacken. Er habe an seiner Dissertation gearbeitet, sagt er und lächelt mit zusammengekniffenen Augen. Klenk holt sich derweil die nächste Auszeichnung ab (diesmal: Walther-Rode-Preis, den hatte er noch nicht), aber es bewegt die Menschen hier nichts so wie der Schnurrbart von Hackl "Einmal was" Reinhard, dem Meister des schlechten Wortspiels. Jedes Mal, wenn er nun eine Zote reißt, blickt man bloß gebannt auf das wackelnde Gestrüpp auf seiner Oberlippe. Es hat etwas Magisches. Und das Schönste ist: Jetzt lachen die Kollegen bei seinen Witzen.


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