Der harte Alltag der Utopie: Was den Film "Land der Wunder" so besonders macht

Feuilleton | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 41/14 vom 08.10.2014

Wolfgang hat die Hosen an, die Unterhosen wohlgemerkt. Wirklich viel zu melden hat der Deutsche, der Ende der 1960er nach Italien kam, um hier ein selbstbestimmtes Leben zu führen, allerdings nicht. Mit der Imkerei und den paar Schafen lässt sich der Unterhalt für eine sechsköpfige Familie kaum noch erwirtschaften.

Umso leichter gerät Wolfgang, dessen naive Revoluzzerträume längst an der Realität zerborsten sind, wegen jeder Kleinigkeit in Rage. Mit einem Hof voller Frauen (Gattin Angelica, vier Töchter und Dauergast Coco) hat er's ja echt nicht leicht. "Wann machst du einmal einen Sohn?", ziehen seine italienischen Nachbarn ihn auf.

Gelsomina, die älteste Tochter, steht im Mittelpunkt des Films "Land der Wunder" von Alice Rohrwacher. Sie ist eine Bienenbetörerin, weiß mit ihren zwölf Jahren schon alles über die Imkerei und muss wie eine Erwachsene rackern, den Honig abfüllen und auf ihre Geschwister aufpassen.

In einer unerwartet dramatischen Szene reißt plötzlich ein Sturm


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