Kunst Kritik

Als Comicstrip verewigte Traumsequenzen

Lexikon | NS | aus FALTER 41/14 vom 08.10.2014

Mit dem Titel "The Century of the Bed" hat die Architekturhistorikerin Beatriz Colomina ein Motto für das diesjährige Galerienfestival curated_by vorgegeben. Colomina ging dem Faktum nach, dass das Bett heute nicht mehr als privater Rückzugsort, sondern verstärkt als Arbeitsplatz im Sinne eines "24/7 home office" fungiert. Fragen über Architektur und Digitalisierung haben die 20 für das Projekt eingeladenen Kuratoren ebenso interessiert wie solche über das Bett als sehr weiten Topos.In der Galerie Steinek überrascht der New Yorker Psychiater Peter Stastny mit der Schau "Good Night, Mister Procrustes". In der antiken Mythologie ist Prokrustes ein Riese, der Reisenden ein Bett offeriert, für das er sie bei Bedarf streckt oder ihnen die Beine kürzt. Das Prokrustesbett dient als Metapher für die Psychiatrie, die auch nur ihre eigenen Normen kennt. Von Jana Sterbak stammt ein längliches Gittergerüst zum Umschnallen, eine Art Käfig. Jim Shaw hat seine Träume als Comics gezeichnet und einen abgeschlagenen Kopf als Traumobjekt produziert. Katrin Sigurdartottir baut Modelle zu unrealisierten Entwürfen von führenden isländischen Architekten aus den 1920er- und 30er-Jahren und zerstört diese Miniaturen dann. In Mexiko-Stadt hat Francis Alys auf dem Asphalt Schlafende mit ihren Hunden fotografiert.

Schwerer ist freilich Schlaflosigkeit darzustellen. Die Kuratorin Abigail Solomon-Godeau geht in der Ausstellung "Sleepless Nights" dem Phänomen vor allem im Medium Film nach. Regisseurin Sally Potter hat ihren Geisteszustand nach einer durchwachten Nacht eingefangen, während Julian Palacz mittels Suchalgorithmus nach Wörtern in Hollywoodfilmszenen fahnden kann. Von Eric Vernhes stammt das Pendeluhrenobjekt "Ses nuits blanches", das anstelle der Zeit eine Filminstallation zeigt.

Galerie Steinek & Galerie Winter, bis 8.11.


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