Pop Tipp

Zwei gute Typen und ihre neuen Platten

Lexikon | GS | aus FALTER 41/14 vom 08.10.2014

Eh toll, aber auch ein bisschen bemüht originell und wortspielerisch kreativ, möchte man meinen, wenn ein deutscher Popmusikant ein Album "Nackte Angst zieh dich an wir gehen aus" nennt. Heißt er auch noch Jens Friebe, könnte es passieren, dass das Urteil schon vor dem Hören des Albums gefällt wird. "Das Übliche halt", könnte dieses Urteil lauten, ist Friebe in der Vergangenheit doch durch eine Mischung aus Checker und Streber aufgefallen, die keineswegs uninteressant, aber eben auch nicht wirklich überzeugend war. Mit dem neuen Album, dem mit der nackten Angst im Titel, ist das jetzt allerdings anders. Musikalisch variantenreich angelegt, singt Friebe im Zweifelsfall lieber poetische als klugscheißereische Diskurspoplieder, die eben so entstehen, wenn ein aufgeweckter Typ mit offenen Augen und funktionierendem Herzen in die Welt blickt.

Live spielt Friebe im Duo mit dem Schlagzeuger Chris Imler, den Wien-Abend teilt er sich mit Florian Horwath oder genauer gesagt mit dem Florian Horwath Ensemble, einem mit Boris Fiala (Ex-Mondscheiner) sowie Peter Lang und Hans Riener, zwei Mitgliedern der Linzer Band Shy, besetzten Quartett um den melancholischen Wiener Folkpop-Singer/Songwriter-Sunnyboy mit Tiroler Wurzeln. "And Then We Explode" heißt die erste in dieser Besetzung entstandene Songkollektion. Das ist ein wenig irreführend. An manchen Stellen wird hier zwar durchaus beherzt gerockt, Explosionen im Sinne von Krachschlagen bleiben aber aus. Stattdessen verfeinert Horwath in den neuen Liedern seine Qualitäten als Songwriter, er setzt auf Direktheit und Emotionalität, auf Ohrwurmmelodien zwischen Kinderlied und heimlichem Welthit und auf jene offenherzige Naivität, mit der er eben nicht nur die Liebe, sondern gerne auch einmal das letzte Einhorn besingt.

Stadtsaal, Mo 20.00


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