Enthusiasmuskolumne

Für Menschen mit oder ohne Penis

Diesmal: der beste Blödelpop der Welt der Woche

Feuilleton | GERHARD STÖGER | aus FALTER 41/14 vom 08.10.2014

Wenn sich einer Bier Wolfmann nennt, ist klar, was es hier geschlagen hat. Es geht um Respektlosigkeit, Holzhammerhumor und das gute alte Mit-dem-Arsch-ins-Gesicht-Spielchen.

Wolf Biermann, der Namenspate des deutschen Sängers, ist ein Held der 68er-Bewegung, ein kritischer Autor und Liedermacher, eine Respektsperson und einer, der davon zu singen wusste, wer die Kugeln wirklich geladen hatte, die auf den Studentenführer Rudi Dutschke abgefeuert wurden. Lachen? Ging gar nicht!

"Ihr lieben Achtundsechziger, danke für alles, ihr dürft gehn", hat PeterLicht einmal in Richtung all der Biermanns dieser Welt gesungen. Warum so höflich, denkt sich Bier Wolfmann, wenn man den Stinkefinger auch stolz und breit grinsend vor sich hertragen kann?

Wolfmann steht einer Blödelpopband namens Supergaul vor, die gepflegt schrottige elektronische Rummelplatzmusik gerade noch diesseits der Hysteriegrenze spielt, großen Spaß beim Sich-deppert-Stellen hat und der politischen Korrektheit die lange Nase zeigt, ohne dabei unangenehm reaktionär zu werden. Neben Wolfmann, der sich als "Essayist und Schmierfink" bezeichnet, gehören noch Axel H. ("Moped-Restaurator") und Uschi ("Trailerpark-Kuratorin") zur Band. Ein erstes Album vor zwei Jahren hieß "Eigentlich wollte ich klein, aber dann kam groß", der kürzlich erschienene Nachfolger "Musik für Menschen mit oder ohne Penis".

Die Lieder von Supergaul tragen Titel wie "Der Guantanamo Fun Hit", "Spermaregenbogen" oder "Krieg und was zu bumsen" und handeln von Analverkehr, blöden Promis, den richtigen Gründen für Selbstmord und nervigen Katzenliebhabern. Auf Albumlänge ist das unerträglich, in kleinen Dosen genossen aber ein großer Spaß.


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