Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Cool oder uncool?

Steiermark | Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter | aus FALTER 41/14 vom 08.10.2014

Bezirke wie Lend entwickeln sich immer mehr zu Trendgegenden. Wenn Kritiker meinen, dass die linke Seite der Mur die gute wäre, dann sage ich, dass die rechte die coole ist", erklärte Bürgermeister Siegfried Nagl der Grazer Woche. Zudem forderte der Bürgermeister in der Gratiszeitung unlängst und eindringlich mehr Eigenverantwortung der Bürger.

Dass sich Lend nicht nur zu einer Trendgegend entwickelt, sondern schon länger eine ist, liegt daran, dass hier Leute Eigenverantwortung übernommen haben. Nur mussten sich die Kreativen bei der Gestaltung des Grätzels -gerade bei der Umsetzung des Lendwirbels - stets mit den Behörden herumschlagen. Nachträglich etwas für cool zu befinden, wenn es trotz Widerständen dann doch aufgegangen ist - das ist uncool.

Auch Reininghaus soll laut Nagl ein "richtig cooler Stadtteil" werden. Für ein wenig Coolness könnten Kulturschaffende und Stadtaktivisten sorgen. Mehr als 100 haben sich vor kurzem beim Grazer Kulturdialog zum Thema Reininghaus vor Ort getroffen. Nagl konnte leider nicht kommen, gab aber kurz darauf eine Pressekonferenz, wo er die Reininghaus-Investoren vorstellte. Da hat es dann geheißen, dass neben dem Handel, den Miet-und Eigentumswohnungen, der Energieversorgung, dem Wasser und Abwasser, der Verkehrsanbindung und dem Kindergarten am Ende auch die Kultur wichtig sei. Cool! Nur würde man gerne einmal deutlich hören, dass die Kulturschaffenden und eigenverantwortlichen Stadtdenker als fixe Größe in den Planungsprozess eingebunden werden. Stattdessen gedenkt man, die Entwicklung der Erdgeschoßzonen einer Supermarktkette zu übertragen. Voll uncool!


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