Der größte Fehler ihres Lebens

Nach wochenlangen Attacken auf Facebook &Co sticht eine 14-Jährige ihren Mitschüler in den Bauch. Nun wurde sie wegen versuchten Mordes verurteilt

Steiermark | GERICHTSREPORT: GERLINDE PÖLSLER | aus FALTER 41/14 vom 08.10.2014


Foto: APA / Elmar Gubisch

Foto: APA / Elmar Gubisch

8.30 Uhr, erste Pause an der Kapfenberger Hauptschule. Laura, 14, geht zu ihrem Klassenkameraden Tobias, 15 (Namen geändert, Anm.), und will mit ihm reden. Er ignoriert sie. Sie fegt ihm die Kappe vom Kopf. Er revanchiert sich mit einem Tritt in den Bauch und nimmt sie in den Schwitzkasten, so zerrt er sie durch die Klasse. Plötzlich spürt Tobias „ein Zwicken“, wie er später sagt. Laura hat ein Küchenmesser mit etwa zehn Zentimeter langer Klinge aus dem Ärmel gefischt und ihn damit in den Bauch gestochen. Er sackt zusammen. Dass er nur leicht verletzt wurde und das Spital bald wieder verlassen kann, verdankt er laut der medizinischen Gutachterin bloß dem Zufall: Der Angriff hätte auch tödlich enden können.

Vergangene Woche, knapp eineinhalb Jahre später, wurde das Mädchen nun wegen versuchten Mordes verurteilt (nicht rechtskräftig). Wie konnte es so weit kommen, was bringt eine 14-Jährige zu dieser Tat? Und wie wird es nach diesem Urteil mit ihr weitergehen? Eines zeigt die Geschichte jedenfalls: die Hilflosigkeit gegenüber (Cyber-)Mobbing unter Jugendlichen.


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