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Von und zu

Falters Zoo | BARBARA FUCHS KATHARINA SEIDLER GERHARD STÖGER | aus FALTER 41/14 vom 08.10.2014

Obwohl es wie aus Kübeln schüttete, ließ es sich die österreichische A-Promi-Liga letzten Mittwoch nicht nehmen, im Ronacher zur Premiere des Musicals "Mary Poppins" sehr zahlreich über den roten Teppich zu flanieren. A-, B-und C-Diven wie Jeannine Schiller, Birgit Sarata, Vera Russwurm, Uwe Kröger oder der ehemalige Operettenkapitän Harald Serafin sorgten fast schon für einen Hauch von West End. Obwohl man dann vor lauter üppig toupiertem Damenhaar fast nicht auf die Bühne sehen konnte, endete der Abend im Theater dann doch mit frenetischem Applaus und tadellosen Mitklatschorgien.

Nicht weniger haarig ging es am anderen Ende der Innenstadt am ersten Tag des Waves Vienna zu. Das australische Bartmodel Scott Matt hew eröffnete das Clubfestival stilvoll und gemütlich im Konzerthaus, da lag der Festivalmarathon ja auch noch vor uns. Wie jedes Jahr hätte man sich an den folgenden drei Tagen nur klonen können, um überall dabei zu sein. Sicher gesehen haben wir Kwabs, der predigergleich das Porgy & Bess in einen schwitzenden Hexenkessel verwandelte, und auch Alexis Taylor, bei dem das Flex überraschenderweise nicht wegen Überfüllung geschlossen wurde. Einen neuen Club haben wir auch entdeckt, das Elysium im ersten Wiener Nobelbezirk nämlich, wo der Deko nach zu schließen normalerweise SM-Afterwork-Clubbings stattfinden. Wir haben stattdessen lieber den Endlos-Pool vor den Waschräumen und schnuckelige israelische Indie-Bands bestaunt.

Vergangene Woche 90 Jahre alt wurde der Rundfunk in Österreich. Neben einem Sendungsschwerpunkt auf Ö1 und einer eigens herausgegebenen CD-Edition gibt es zu diesem Anlass auch eine von Rudi Klein kuratierte Ausstellung im Funkhausfoyer mit Werken von Nicolas Mahler oder der bezaubernden Stefanie Sargnagel. Gleichzeitig rief die Initiative "Radio muss im Funkhaus bleiben" als Geburtstagsfest zu einer aktionistischen Kundgebung auf. Vergangenen Mittwoch sah man mehrere Dutzend bunte Regenschirme vor dem Haus in der Argentinierstraße, unter denen Radiomitarbeiter und Sympathisanten in festlicher Kleidung standen. Das bunte Riesenohr neben dem Eingang wurde Zeuge von Reden und Gratulationen von Prominenten wie Akademie-Direktorin Eva Blimlinger, den Bühnenmenschen Maria Happel, Karl Markovics oder Lukas Resetarits, den Autoren Franz Schuh und Robert Menasse oder dem Musiker Konstantin Wecker, die sich alle gegen die geplante Absiedlung der Radios an den Stadtrand aussprachen. Die Geburtstagstorte hatte die Form des Funkhauses selbst und die Musikarbeiterinnenkappelle spielte zur Feier "Video Killed the Radio Star". Alles Gute!

Letzte Woche erzählte Dirk von Lowtzow, der Sänger der Popgruppe Tocotronic, im Falter-Interview, dass Cosima von Bonin unter ausgeprägter Bühnenangst leide. Als Tocotronic am Samstag zur Eröffnung der lustigen Mumok-Ausstellung von Frau von und zu im Museumsquartier spielten, war davon nichts zu merken: In strengem Feldwebelton bellte die Künstlerin eine skurrile kleine Ansprache, die die Band dazu bringen sollte, das ganze Set zu wiederholen. Und zwar "für das Nationalkulturgut, die Mozartkugel Thomas von Bernhard". Das tat sie nicht, ließ sich Minuten nach Konzertende aber doch für ein allerletztes Lied auf die Bühne zurückbrüllen. Dazwischen wurde Herr Minister Josef Ostermayer vom ganzen Saal ausgebuht (warum eigentlich?), und Dirk von Lowtzow gab erste Hinweise auf das nächste Tocotronic-Album: "Wir sehen uns nächstes Jahr im Zeichen der Liebe und des immerwährenden Kommunismus!"


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