Gelesen

Einser-Schüler und Gangsterboss

Bücher, kurz besprochen

Politik | WOLFGANG ZWANDER | aus FALTER 41/14 vom 08.10.2014

Wenn einem Menschen von Talent und Tatkraft legale Karrierewege versperrt bleiben, dann ist es oft nur ein kleiner Schritt, bis er es auf illegalem Weg versucht. Dies wird einem klar, wenn man dieses Buch liest

Der Autor Christian Stahl beschreibt in seinem Buch "In den Gangs von Neukölln" das Leben von Yehya E., eines hochbegabten Intensiv-und Wiederholungstäters. Unmittelbar nach Yehyas Geburt in einem Flüchtlingslager für Palästinenser im Libanon fliehen seine Eltern nach Deutschland, wo der junge Mann als geduldeter Flüchtling aufwächst. Das bringt mit sich, dass er weder studieren noch arbeiten noch Berlin verlassen darf.

Er lernt also Boxen und prügelt sich in der Unterwelt nach oben. Mit 15 Jahren Einserschüler an der Rütli-Schule und zugleich Gangsterboss, der einem Heer von Schlägern vorsteht. Mit 16 ist er im Gefängnis. Danach versucht er den Ausstieg aus dem Milieu, scheitert aber. Autor Stahl hat für sein beeindruckendes Werk zehn Jahre lang recherchiert, was man auf jeder Seite spürt und große Lesefreude bereitet. Und ganz nebenbei ist das Buch auch eine sehr gelungene Anklage gegen die deutsche Integrationspolitik.

Christian Stahl: In den Gangs von Neukölln. Hoffmann und Campe. 256 S., € 18,50


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