Tiere

Schnauze halten

Falters Zoo | aus FALTER 41/14 vom 08.10.2014


Feucht ist nur eine Illusion“ betitelte letzte Woche der Standard einen Artikel, der aber nichts mit entsprechenden Träumen oder Zaubershows zu tun hatte. Da es in unserer Haut keine Rezeptoren für Nässe gibt, sind unsere Sinneseindrücke, wenn wir im Regen stehen, entsprechend einer neurophysiologischen Studie nur Wahrnehmungsillusionen. Nasses Gewand „fühlt“ sich eigentlich nur kalt an, alle anderen Empfindungen, die wir darüber hinaus zu spüren vermeinen, sind nur erlernte Einbildungen und sozusagen Hirngespinste.

Da stellt sich nun aktuell die Frage, ob unser Bundesheer auch nur eine Illusion ist. Haben wir noch eines oder ist das nur die erlernte Erinnerung daran, wie sich Landesverteidigung anfühlt? Dass in Zukunft auf der „Panzerwiese“ der Wiener Maria-Theresien-Kaserne nur mehr Giraffen exerzieren sollen, mag manchen Menschen vielleicht mehr wie Varieté vorkommen, aber die Einberufung von Tieren in den Militärdienst ist eigentlich nichts Neues. Elefanten waren die Panzer der Antike und Maultiere werden in Gebirgsregionen wie Afghanistan zum Transport von Raketen eingesetzt. Deutschland verwendete im Ersten Weltkrieg 120.000 Tauben, um militärische Nachrichten zu versenden, und die USA züchtet spezielle Minenbienen als Sprengstoffschnüffler.

Österreichs Armee mag zwar defekte Eurofighter-Vögel haben, aber bei den pelzigen Soldaten haben wir canines Personal in Bataillonsstärke: Derzeit werden etwa 250 Militärhunde beschäftigt, davon versehen etwa 100 Kameraden mit Lizenz zu Beißhandlungen ihren Dienst im Militärhundezentrum Kaisersteinbruch. Das – verwaltungstechnisch korrekt geschriebene – MilHuZ rühmt sich, mit über 1800 Hunden die größte Rottweilerzucht der Welt zu sein. Die Aufnahmetests sind strikt und zielen auf Hunde mit „guter Nasenleistung und Unterordnungsfreude“ ab (Letzteres ist im öffentlichen Dienst generell für alle Lebewesen Pflicht).

Die Dienstzeit eines Militärhundes endet – wie das MilHuZ schreibt – „je nach Beanspruchung“ circa mit dem zehnten Lebensjahr. Dann beginnt sein Zivildienst als „Privateigentum“ des soldatischen Hundeführers. Pension ist auch nur eine Illusion.


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