Kommentar Familienpolitik

Zwei Jahre bezahlte Babykarenz sind genug

Falter & Meinung | BARBARA TÓTH | aus FALTER 41/14 vom 08.10.2014

Der Vorschlag ist unpopulär, aber absolut richtig. Die Grünen wollen, dass bei der Reform des Kinderbetreuungsgeldes die beliebteste: die Längstvariante von 36 Monaten ersatzlos gestrichen wird. Eltern, die beim Kind zu Hause bleiben wollen, sollen in Zukunft nicht mehr drei, sondern maximal zwei Jahre in bezahlte Karenz gehen dürfen.

Das wäre zum einen sehr klug, weil es Mütter und Väter davor schützt, in der Babyauszeit gekündigt zu werden. Der Kündigungsschutz läuft nämlich nur zwei Jahre lang. Außerdem brächte es Österreichs Familienpolitik endlich einen Schritt weiter.

Mit drei Jahren bezahlter Karenzzeit ist Österreich europaweit ohnehin ein Unikum. Länder wie Dänemark, Schweden oder Frankreich, die weniger Geld für Familien ausgeben, aber erfolgreicher sind (sprich: wo mehr Kinder geboren werden), kombinieren seit Jahren kurze, sehr gut bezahlte Kinderkarenzzeiten mit einem nahezu lückenlosen Betreuungsangebot.

Eltern zu werden fällt nun mal leichter, wenn man darob nicht seinen Job verliert und leicht einen guten Kindergartenplatz findet.

Das ist auch der einzige Haken am grünen Vorschlag. Zwei Jahre Maximalkarenz funktioniert nur dann, wenn Familien gleichzeitig einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihr Kind ab dem zweiten Lebensjahr garantiert bekommen.

Derzeit ist Österreich noch nicht so weit. Noch besser wäre es, die Karenzzeit wie in Dänemark auf ein Jahr bei voller Fortzahlung des Letztgehaltes zu beschränken, endlich flächendeckend gute Betreuungangebote für die Kleinsten zu schaffen und diese "Karenz neu" - mit einer Übergangsfrist von drei Jahren - ab 2018 in Kraft treten zu lassen.


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