Buch der Stunde

Krieg und Erholung oder Der Ernst des Spiels

Kirstin Breitenfellner | Feuilleton | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014

Kultur in ihren ursprünglichen Phasen wird gespielt. Sie entspringt nicht aus dem Spiel (...), sie entfaltet sich in Spiel und als Spiel." Diese simple These demontierte am Vorabend des Zweiten Weltkriegs das Arbeitsethos der Moderne und hielt ihm die großzügige Zwecklosigkeit und den heiligen Ernst einer ursprünglichen menschlichen Tätigkeit entgegen. Johan Huizinga (1872-1945) gab der von ihm mitbegründeten Disziplin der Kulturtheorie mit seinem zweiten Wurf, "Homo ludens" (1938), gleich ein großes Thema vor. Mit der Publikation des nur 25 Seiten umfassenden Vortrags "Das Spielelement der Kultur", den Huizinga 1934 in Wien und Zürich hielt und der so etwas wie seine Spieltheorie in ihrer ungeglätteten Reinform darstellt, ist es der Reihe "Fröhliche Wissenschaft" bei Matthes & Seitz ein weiteres Mal gelungen, ein philosophisch-politisches Grundthema kommensurabel zu machen.

Dazu trägt natürlich Huizingas anschaulicher, prägnanter Stil bei. "Das Spiel fesselt. Es liegt eine

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