Ohren auf Klassische Musik

Gruselgeschichten und zweierlei Hofzeremoniell

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014

Das Ensemble Quadriga Consort erkundet auf seinem neuen Album die Schattenseiten und Abgründe des menschlichen Innenlebens. Fündig wurden die sieben Musiker auf den britischen Inseln, wo allerlei Gruselgeschichten über das Sagenhafte, Geheimnisvolle und Übersinnliche in Liedern und Balladen verpackt sind. "14 Tales of Mystery" (Sony/dhm) enthält alte englische, schottische und irische Songs, gekonnt arrangiert vom Cembalisten und Leiter der Formation Nikolaus Newerkla - schwarzer Humor und kribbelndes Schaudern inklusive.

Was die italienischen Meister und die Jungfrau Maria in Polen gemeinsam haben, erzählen The Sixteen auf "The Blossoming Vine" (Coro). Zu hören ist sakrale Renaissancemusik von Asprilio Pacelli, Vincenzo Bertolusi und Giovanni Francesco Anerio, die allesamt am polnischen Hof von Sigismund III. wirkten. Und weil der Marienkult schon damals eine wichtige Rolle spielte, sind sämtliche hier eingespielten Werke der Heiligen Jungfrau gewidmet. Die sinnlichen Stücke zelebriert das britische Vokalensemble gewohnt stilsicher und mit einer hervorragenden Intonation. Warum im Titel von blühendem Wein die Rede ist, bleibt aber ein Geheimnis.

Konkurrenz aus den eigenen Reihen bekommen The Sixteen von den sechs Damen und Herren des Ensembles Stile Antico. Auf ihrem Album "From the Imperial Court" (HM) interpretieren sie Chorwerke, die am Hof des Hauses Habsburg komponiert wurden - von Josquin Desprez und Heinrich Isaac bis hin zu Thomas Tallis und Alonso Lobos. Tatsächlich wirkten bei den Habsburgern die besten spanischen und flämischen Komponisten der Vokalpolyfonie des 15. und 16. Jahrhunderts, die grandiose Musik von umwerfender Erhabenheit schufen. Makellos klar und lebendig gesungen, wird sie hier noch einmal zum Fest.

Quadriga Consort live: Musikverein, 6.11., 19.30


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