Film Neu im Kino

Zu schön, zu jung, zu reich: "The Riot Club"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014

Das neue Studienjahr in Oxford beginnt. Miles und Alistair, Abkömmlinge reicher Familien, gehören zu den Erstsemestrigen. Sofort sind sie sich unsympathisch: Miles verliebt sich in die "proletarische" Lauren, Alistair verachtet alle Klassen unter der seinen. Kurz darauf werden beide Mitglied im "Riot Club", der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Ausschweifung zur Kunst zu erheben.

Lone Scherfigs "The Riot Club" beginnt mit harmloseren Ekelhaftigkeiten, die superreiche Buben tun: Ist das Auto nach dem Feiern angespieben, wird es als Wegwerfgegenstand zurückgelassen. Schnell erreicht die Handlung aber ihren zentralen Schauplatz. In einem Pub findet das jährliche Club-Diner statt. Pubbesitzer Michael ahnt nicht, wem er seinen Saal vermietet hat.

Längere Zeit traut man "The Riot Club" einen doppelten Boden zu, der der Dekadenz eine Ohrfeige verpasst. Vor allem Alistair (Sam Claflin) und sein übertrieben aggressiver Blick scheinen dazu geeignet, andere Absichten zu verbergen. Dies stellt sich jedoch als Wunschdenken heraus: Ähnlich Scorseses "The Wolf of Wall Street" breitet Scherfig das unmoralisch Verhalten aus, ohne dem Publikum einen Anker zu geben.

Der kalte Horror und das böse Gesellschaftsbild, das "The Riot Club" mit dieser Methode transportiert, entfalten trotz großer Spannung nur zum Teil ihre Wirkung. Scherfigs Film ist der Ursprung als Theaterwerk - Laura Wade adaptierte ihr Stück "Posh" - mit starker Szenenhaftigkeit und einem strengen Umgang mit Schauplätzen anzumerken. Vor allem aber dominiert das gesprochene Wort über die filmischen Möglichkeiten, Charaktere und Konflikte zu entwickeln. Die Radikalität, auf die "The Riot Club" durch eine Hassrede hinausläuft, ist wenig glaubwürdig.

Bereits im Kino (OF im Burg)


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