Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Starke Frauen

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014

Welcher Parteichef sagte zu Beginn welchen Wahlkampfes Folgendes? "Auf dieses Match freue ich mich, ehrlich gesagt. Ich freue mich wirklich. Viele meiner Freunde haben gemeint, ich sei Masochist. Ich bin kein Schmerzerotiker und kein Masochist, das ist ein völliger Unsinn, sondern ich freue mich wirklich. Denn das wird die völlige Zuspitzung all dessen, worum es geht. Die Mutter aller Wahlschlachten."

Erraten? Es war Michael Häupl, und die Mutter aller Wahlschlachten bezog sich auf den Gegner Jörg Haider. Die Falter-Redaktion setzte dazu ein Bild der Titanic und als Bildunterschrift die Frage: "Sinkendes Schiff SPÖ: Wird der Abwärtstrend in Wien zu stoppen sein?" Nun, die Spannung bleibt. Der Name des Kandidaten kommt einem allerdings bekannt vor. "Man muss eben dem Navratil sagen, wenn er einen anspricht: ,Hearst, wenn man mit deinen Großeltern so umgegangen wäre, wie du das jetzt forderst, dann gäbe es dich hier gar nicht'" (Häupl zur Ausländerpolitik).

Der Politikteil überraschte mit einem Essay von Cora Stephan, der ehemaligen Spiegel-Redakteurin, die gegen Political Correctness polemisierte. "Diese Moral bleibt folgenlos, vor allem dient sie trefflich zur Ablenkung fehlender politischer Entschiedenheit."

Im Feuilleton porträtierte Sigrid Löffl er auf glänzende Weise Elfriede Jelinek. "Mit der unfehlbar kühlen Höflichkeit ihrer makellosen Auftritte und mit der Künstlichkeit und Wut ihrer Texte hat die Radikalfeministin Jelinek seit jeher die Abneigung männlicher Leser (und Kritiker) auf sich gezogen, die ihr die aggressive Sprache ihrer Dramen und Romane als persönliche Bösartigkeit verübeln und an ihrer Literatur das maßregeln, was sie ihr als Frau nicht zugestehen wollen - den phallischen Gestus ihrer Kunstproduktion. Dieser Herrschaftsdiskurs im Schreiben wird ihr entweder gar nicht oder nur widerwillig konzediert. Mit ihrer spezifischen Mischung aus Weltdame und Edel-Kommunistin (die Jelinek bleibt aus Trotz weiterhin KPÖ-Mitglied) kommt die österreichische Waldheimat erst recht nicht zurecht."


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige