Die schnellen Jahre der Foto-Fürstin

Die Society-Fotografin Marianne zu Sayn-Wittgenstein und ihre Leidenschaft für Motorsport

Audienz: Wolfgang Kralicek | Feuilleton | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014


Foto: „Stars & Sportscars“, Verlag Delius Klasing

Foto: „Stars & Sportscars“, Verlag Delius Klasing

Ihren bürgerlichen Spitznamen „Mamarazza“ hat sich die 94-jährige Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein redlich verdient. Seit 84 Jahren ist ein Fotoapparat ihr ständiger Begleiter. „Ich werde ganz wild, wenn meine Canon einmal nicht in meiner Nähe ist.“ Und da die meisten Verwandten und Bekannten der Fürstin nun einmal prominent sind, schauen ihre Fotoalben halt automatisch aus wie die Society-Bildstrecken einer Illustrierten.

Die Fürstin arbeitet ausschließlich analog, schon allein deshalb, weil man sich da genauer überlegen muss, wann man abdrückt. „So lange ich lebe, werde ich nicht digital fotografieren!“ Ihr bester Freund, der vor drei Jahren tragisch verstorbene Lebemann Gunter Sachs, der unter anderem auch Fotograf war, hat über die Fürstin immer gesagt, sie habe zwar keine Ahnung vom Fotografieren, aber immer im richtigen Moment draufgedrückt. „Ich weiß kaum, wie meine Kamera funktioniert“, bestätigt die Fürstin. „Wenn Kollegen mich fragen, was ich für eine Optik verwende, sage ich: Keine Ahnung, schauen Sie selber.“

Von jedem Bild lässt die Fürstin zwei Abzüge machen. Einen bekommt die darauf abgebildete Person zugeschickt, den anderen pickt sie in eines ihrer roten Fotoalben. Zu jedem Foto notiert sie Namen, Ort und Datum, auch Einladungskarten oder passende Zeitungsartikel klebt sie ein; um Platz zu sparen, wird sogar das Spinnenpapier zwischen den Seiten genutzt. Die akribische Sorgfalt, mit der sie ihre Bilder archiviert, haben ihr einst ihre Gouvernanten eingebläut. „Die waren so streng, dass meine Schwester und ich schon überlegt haben, wie wir sie umbringen können. Es ist uns nicht gelungen.“

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