Am Apparat Telefonkolumne

Warum sind Sie nicht mehr in Erdberg, Herr Jako?

Politik | Interview: Barbara Tóth | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014

Rimon Jako (41) ist Iraker und Christ. Vor dem IS-Terror flüchtete er nach Europa und landete im Flüchtlingsheim in Wien-Erdberg. Dort sind vier Betreuer für über 300 Menschen zuständig. Weil er mit Journalisten offen - und in sehr gutem Deutsch - über die Organisationsmängel im ehemaligen Zollwachheim sprach, wurde er in ein Flüchtlingsheim in Tirol verlegt. Dies sei eine "Deeskalationsmaßnahme", sagt das Innenministerium.

Guten Tag Herr Jako, wie geht es Ihnen?

Danke, nicht gut. Ich bin mit etwa 150 anderen Flüchtlingen in einem Asylheim in Fieberbrunn ganz oben am Berg. Wir sehen hier die Wolken von oben. Es ist das Ende der Welt. Es gibt hier kein Internet, kaum Handyempfang. Einmal am Tag fährt ein Bus in die Stadt, das dauert eine Stunde. Man kann hier nichts tun, nur essen, schlafen und warten. Das macht echt depressiv. Dabei will ich arbeiten.

Was können Sie?

Ich bin gelernter Koch. Ich habe mich aufs Grillen spezialisiert. Ich kann aber auch Dolmetschen.

Ihr Deutsch ist sehr gut.

Ich habe fast zwei Jahre in Luxemburg gelebt. Angeblich soll ich dorthin wieder abgeschoben werden, aber ich habe keine Ahnung, die Beratung ist sehr schlecht. Wir erfahren eigentlich gar nichts. Weil ich in Luxemburg kein Asyl bekam, kehrte ich in den Irak zurück. Aber in Bagdad kann ich nicht bleiben, als Christ werde ich verfolgt. Ich schaffte es nach Holland, aber auch dort bekam ich kein Asyl. Jetzt bin ich in Österreich. Es ist mein dritter Versuch, nach Europa zu kommen.

Im Flüchtlingsheim in Erdberg galten Sie als Aufrührer.

Ich sei aggressiv, heißt es. Dabei habe ich nur angesprochen, was nicht gut läuft. Das Essen war zu wenig, die Kleiderspenden wurden nicht verteilt. Wenn ich mit der Presse rede, fliege ich raus, hieß es. Jetzt sitze ich also hier. Ich bin verzweifelt.


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