Der Bahnhof der Namenlosen

Das Urbanize-Festival führte zum Bahnhof Praterstern. Das Nachdenken über urbanes Elend mutierte spontan zum Stegreift heater

Feuilleton | Reportage: Nicole Schöndorfer | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014

Der Bahnhof Praterstern hat keinen guten Ruf. Der Besucher trifft auf Alkoholismus, Drogen und Obdachlosigkeit. Jugendliche irren mit Tunnelblick herum, alte Menschen starren ins Leere. Unter den Sitzbänken sammeln sich schon am Vormittag die Bierdosen.

Dazwischen drehen Securitys mit orangen Jacken ihre Runden. "Das wirkt unterschiedlich auf das subjektive Sicherheitsgefühl. Einerseits sagt mir deren Präsenz, dass hier aufgepasst wird und ich sicher bin, andererseits bin ich eingeschüchtert, weil es hier gefährlich ist", erklärt Marc Diebäcker mit ruhiger Stimme. Er ist Politikwissenschaftler und Sozialarbeiter und aufgrund seiner jahrelangen Forschung quasi Praterstern-Experte.

Im Rahmen des Architekturfestivals Urbanize erläutert er auf einer Veranstaltung am letzten Samstag die politischen und sozialen Aspekte des Pratersterns. Diebäcker spricht in ein Mikrofon, den Lautsprecher trägt er wie eine Umhängetasche. Hin und wieder liest er Passagen aus seinem Buch vor.

Es überrascht


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