Schauspielhaus: Hochschwab-Aussichten auf menschliche Niederungen

Lexikon | Theaterkritik: Hermann Götz | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014

Die Präsidentinnen" (Sa, 19.30 Uhr) von Werner Schwab sind längst ein Standard der Theaterliteratur. Das war auch Tenor jener Stimmen, die zu Schwabs 20. Todestag im Falter versammelt wurden. Vor Ende des Jubiläumsjahres schießt das Schauspielhaus dieses bekannteste Drama des Sprachaktionisten nach. Unter der Regie von Simone Blattner als Klassiker. Das ist gut so. Fernab von Experiment und Provokation zeigt sich die zeitlose Größe dieses Textes: Hochschwab - ein Hochamt.

Thilo Reuthers steil abgeschrägte Bühne kann als Analogie zur Schwab'schen Sprachwelt begriffen werden, die den Realismus der Umgangssprache überhöht, bis die Bosheit im Umgang unter den Sprechenden austritt. Die Privatheit der Szene wird dem Publikum entgegengekippt. Bis ins Mörderische. Den großen Bogen dorthin durchsprechen drei große Schwab-Spielerinnen: Birgit Stöger, Steffi Krautz und Verena Lercher. Tiefgang auf Schwabisch heißt, die Abgründe auszuleuchten, die sich hinter der Lächerlichkeit auftun. Besonders die wegen ihres formidablen Auftritts in Yael Ronens "Niemandsland" für den Nestroypreis nominierte Stöger macht das sicht- und auch hörbar.

Eher eine Entdeckung ist der 1978 geborene Philipp Löhle, dessen Gesellschaftsdrama "Wir sind keine Barbaren!" (Mi, 20 Uhr) von Christine Eder auf der Probebühne inszeniert wird. Auch hier ist mit Krautz, Florian Köhler, Seyneb Saleh und Christoph Rothenbuchner ein starkes Darstellerteam am Werk. Unter anderem verhindert es, dass zu viel moralische Plattheit hinter den gut geschliffenen Dialogen hervortritt. Hut ab!


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