Enthusiasmuskolumne Diesmal: die schönsten Melodramen der Welt der Woche

Maaamaaaa! Man spielt nicht mit der Liebe

Feuilleton | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014

Ich habe sechs Filme von Douglas Sirk gesehen. Es waren die schönsten der Welt dabei", schrieb Rainer Werner Fassbinder über den als Hans Detlef Sierck geborenen Regisseur, der 1937 aus Deutschland floh und in Hollywood als Douglas Sirk und mit Melodramen berühmt wurde. Aktueller Anlass, sich mit Sirk zu befassen, ist Thiemo Strutzenbergers Stück "Hunde Gottes", das kürzlich

im Schauspielhaus uraufgeführt wurde (Rezension siehe Falter:Woche). Das Stück bezieht sich auf Sirks Filme, "All That Heaven Allows"(1955) und "Imitation of Life" (1959). In künstlichen Settings und wunderbaren Technicolor-Farben handeln beide Filme von starken Gefühlen, die mit Rücksicht auf gesellschaftliche Konventionen unterdrückt werden.

In "All That Heaven Allows" traut sich eine Witwe (Jane Wyman) nicht, ihren Gärtner zu heiraten, obwohl der aussieht wie Rock Hudson und sie ihn liebt. "Angst essen Seele auf" hieß Fassbinders Remake. In "Imitation of Life" opfert die Schauspielerin Lora ihr Liebesglück ihrer Bühnenkarriere. Noch viel ergreifender aber ist die Parallelhandlung um Loras schwarzes Kindermädchen Annie und deren Tochter Sarah Jane. Das hellhäutige Mädchen - der abwesende Vater war ein Weißer - verleugnet seine genetischen Wurzeln, was zu einer Entfremdung von der Mutter führt.

Die letzte Begegnung der beiden ist herzzerreißend: Die Mutter hat die Tochter in Los Angeles aufgespürt, um sie noch einmal zu sehen. Als eine Freundin das Zimmer betritt, gibt die Mutter sich als Fremde aus, damit die Lebenslüge der Tochter nicht auffl iegt. Da ist längst klar, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt. Und spätestens, wenn Sarah Jane der Mutter zum Abschied heimlich "Mama" zuflüstert, weiß man, was Fassbinder meinte. Schluchz!


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