Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014

Brodnig ist zu spät in die Sitzung gekommen, sie war außer Atem und japste "Tschuldigung", aber wer kann ihr schon böse sein, sie war ja gerade auf der Frankfurter Buchmesse gewesen. Sie muss gleich weiter, dem ORF ein Interview geben. Ihr Buch über Anonymität im Netz hat voll eingeschlagen, die Anonymität macht Brodnig jetzt ziemlich berühmt. Sie geht mit ihrem Fame erschreckend gelassen um. Buch schreiben, cool bleiben - auch die anderen werten Kollegen halten das hier so.

Wie wundersam, dass hinter jenen Menschen, die nach großen Sitzungen einen derart zugemüllten Redaktionstisch hinterlassen, solch g'standene Autoren stecken. Etwa Stöger - er legte mit seinem "Wien-Pop"-Band über Wiens Popbands ein Standardwerk vor. Dusinis Buch über Political Correctness hat selbst der umstrittene Bestsellerautor Sarrazin gelesen (aber Dusini will nicht, dass man's herumerzählt, also bitte nicht herumerzählen!). Wurmdobler schrieb über Wiener Kaffeehäuser. In einem davon las Klenk vor wenigen Tagen aus seinem eigenen Reportagebuch vor.

Wie Wahlkampf in der "Republik ohne Würde" (neues Werk von Thurnher) abläuft, analysiert Tóth penibel nach jeder Wahl (zuletzt: Wahl 2013). Nüchtern erweitert derweil seine eigengeschriebene Bibliothek (Teaser: der brillante Schreiber schreibt über einen brillanten Schreiber).

Und Rubinowitz staubte heuer gar den Bachmannpreis ab. Wobei man dazusagen muss: Er arbeitet nicht in der Redaktion. Ihn kann man für den Müllhaufen auf dem Tisch also wirklich nicht verantwortlich machen.


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