Mediaforschung Verführungskolumne

Das Beispiel Deezer: wie Humor in der Werbung funktioniert

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014

Wer lacht, ist glücklich, und wer jemanden zum Lachen bringt, macht sich sympathisch. Firmen wollen glückliche Kunden und ein sympathisches Image. Witze sind für die Werbewelt wie geschaffen, nicht zuletzt deshalb, weil man sie sich auch leicht merkt. Aber wie funktioniert Humor in der Reklame?

Ein Praxisbeispiel liefert der aktuelle Spot des Musikstreaming-Dienstes Deezer: Ein Büroangestellter sitzt gelangweilt am Schreibtisch, wirft Nüsse in die Luft und fängt sie mit seinem offenen Mund. Plötzlich zischt eine Hand über seinen Kopf und fängt die nächste Nuss; es ist sein Chef. "Ich habe mir das jetzt den ganzen Morgen mitangesehen", sagt der Boss mit strenger Miene. "Ich bin hier, um Ihnen verdammt noch einmal zu sagen" - er haut wutentbrannt mit der Hand auf den Tisch - "was für ein geiler Typ Sie sind!" Er packt die Nussdose, "die nehme ich mit zum Üben", und tippt seinem Angestellten aggressiv gegen den Brustkorb, "damit ich eines Tages genau so werde wie Sie!". Grimmig macht er die "Ich beobachte dich"-Geste und sagt: "Sie haben übrigens sehr schöne Augen!" Die Pointe liefert der Slogan. "Hör jetzt nur noch, was du hören willst. Mit Deezer."

Humor folgt oft dem Muster dieses Spots: Man nimmt zwei Ebenen, die nicht zusammenpassen (wütender Chef und Lobhudelei) und erzeugt damit eine Spannung im Hirn. Die Pointe klärt die absurde Geschichte auf (der Mann hört nur, was er will), die Spannung entlädt sich plötzlich. Die Folgen: Lachen. Kurze Glückseligkeit. Und vielleicht ein Abo bei Deezer.


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