Stadtrand Urbanismuskolumne

Alles Böse kommt aus Wien

Stadtleben | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014

Wenn man als gebürtige Wienerin ins westlichste Bundesland reist, ins Ländle, dann kann es schnell passieren, dass einem dort "ghörig" der Kopf gewaschen wird. Weil nämlich als Wiener ist man es zwar gewohnt, in Restösterreich ziemlich unbeliebt zu sein, dass man aber die volle Verantwortung am Niedergang des Landes trägt, das war einem bis dato nicht bewusst. Weil wir, "unt', in Wian", entscheiden ja nicht nur alles im Alleingang, nein, wir bereichern uns an unseren schwerschuftenden Bundesgenossen auch noch. Als Wiener in Vorarlberg fühlt man sich fast so schuldig wie als Weißer in Indien. Das Gute daran: Man muss das nicht weiter persönlich nehmen. Zumindest nicht, solange man noch mit dem im Ländle obligatorischen Du bedacht wird. Erst wenn man als "Wianer" identifiziert wird und plötzlich aus dem allgegenwärtigen amikalen Du ein distanziertes Sie wird, wird's persönlich. Dann wird es wohl Zeit, in den nächsten Zug zu steigen. Auf der langen Fahrt zurück ins Zentrum allen Übels hat man dann genug Zeit, um über seine Verfehlungen nachzudenken.


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