Ein Draufgänger des Schreibens

Literaturnobelpreisträger Patrick Modiano ist ein Autor mit dem Mut zur Verirrung

Feuilleton | Würdigung: Martin Prinz | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014

Patrick Modianos Name klang für mich nach einem Rennfahrer. Ich stieß auf ihn in einem Text Peter Handkes, nachdem dieser 1985 "Une Jeunesse" ins Deutsche übertragen hatte. Damals, Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre war ich ein Teenager und begann nach einer Handvoll Jahren, in denen mich lediglich Mädchen und Sport interessierten, gerade wieder zu lesen.

Das war ein zweiter Beginn, doch keine Rückkehr. Denn das Lesen davor, mit seinem ungeduldigen, eiligen Anfang - kaum war ich mit meinen knapp sieben Jahren in die Schule und bald darauf in Besitz einer zumindest notdürftigen Menge von alphabetischem Entschlüsselungswissen gekommen - war ein anderes gewesen.

Sicher weiß ich nur, dass ich sehr viel las. In der Schule hatte mich die Volksschullehrerin binnen weniger Tage in die Eselsbank verbannt, da meine Augen sie durch die vergrößernden Brillengläsern offenbar dumm anglotzten. Im Lesen konnte ich mich hingegen verstecken, vor der Schule, vor den streitenden Eltern, am besten


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