Theater Kritik

Der Vater war immer der Gärtner

Lexikon | WK | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014

Die Hauptfiguren von Thiemo Strutzenbergers neuem Stück heißen Dante und Petrarca, das Stück spielt aber in den USA der Fifties. Erklärung: Hintergrund von "Hunde Gottes" sind die Melodramen des deutsch-amerikanischen Filmregisseurs Douglas Sirk sowie im Theater selten verhandelte Themen wie Architekturtheorie oder der Sodomiebegriff im Florenz der Frührenaissance. Das klingt ein bisschen kopfig und ist es, einerseits, auch. Weil der ehrgeizige Autor Strutzenberger aber hauptberuflich Schauspieler ist, liefert er seinen bestens disponierten Kollegen aus dem Schauspielhaus-Ensemble andererseits auch viel brauchbares Spielmaterial.

Die von Katja Jung ungeschmiert divenhaft dargestellte Schauspielerin Betty Alighieri ("keine Schauspielerfragen!") gesteht ihrem Sohn Leonardo (Gideon Maoz), dass der Gärtner (Simon Zagermann) sein leiblicher Vater ist. Ihr im Krieg traumatisierter Mann, der Architekt Dante Alighieri (Steffen Höld), verarbeitet seinen Schmerz, indem er für den Rest des Stücks als schwarze Witwe über die Bühne schleicht. Dessen Chef Francesco Petrarca (Florian von Manteuffel) wiederum ist in Laura (Nicola Kirsch), die Tochter des Gärtners, verliebt - eine eher einseitige Angelegenheit. Zitat: "Ich gebe dir, was du nicht willst, und du nimmst es." Nach anderen schönen Sätzen ("Dauernd steht irgendwas in den Sternen!") gibt es am Ende noch einen Film-im-Stück ("Die Sehnsucht der Beatrice Alighieri") und den Auftritt eines Rehs. Letzteres ist ein Zitat aus "All That Heaven Allows" von Douglas Sirk, in dem Rock Hudson den Gärtner spielt.

Ja, "Hunde Gottes" ist nicht ganz unkompliziert. Aber in Barbara Webers entspannt-überspannter Inszenierung ist das eine sehr vergnügliche Mischung aus Emotion und Dekonstruktion, Parodie und Hommage. Phasenweise ganz großes Kino.

Schauspielhaus, Fr, Sa 20.00


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