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Die Glosse vom Falter

Falter & Meinung | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014

Es passiert nicht oft, dass Kritikerinnen in Sonetten besungen werden. Daniela Strigl ist dieses rare Privileg zuteil geworden: Nach ihrem Rücktritt aus der Jury zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb kursiert ein offener Brief gegen das erbärmliche und taktlose Vorgehen des ORF, der Strigl zunächst den Vorsitz der Jury angeboten und Monate nach deren Zusage die Abmachung ignorierte und stattdessen Hubert Winkels den Vorsitz übertrug.

In klassischen petrarkischen 14-Zeilern huldigen Kathrin Passig (Reimschema: abba abba cdc dcd) und Clemens Setz (abba cddc efg efg) der Kritikerin, deren Gabe, "messerscharf, unterhaltsam, kompromisslos in der Sache" zu urteilen, "ohne die Autoren persönlich anzugehen", zu Recht gepriesen wird.

Unter den über 200 Unterzeichnerinnen ist Elfriede Jelinek die glamouröseste, Hubert Winkels der bizarrste. Er hat das ganze unwürdige Schauspiel mitgemacht und unterschreibt nun eine Petition gegen sich selbst. Man darf gespannt sein, wer sich durchsetzt -Winkels oder Winkels.


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