Kunst Kritik

Die umtriebigsten Künstler der Zwischenkriegszeit

Lexikon | NS | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014

Der Hagenbund war eine Künstlervereinigung, die in Wien von 1900 bis 1938 existierte und deren Mitglieder einer breiteren Öffentlichkeit heute unbekannt sind. Der Name stammt übrigens nicht von der Nibelungensage, sondern von einem befreundeten Wirt. Die ungeheuer rege Ausstellungstätigkeit im In- und Ausland war bisher unerforscht geblieben, eine Lücke, die Matthias Boeckl und Harald Krejci mit ihrer von einem dicken Katalog begleiteten Schau "Hagenbund. Ein europäisches Netzwerk" nun schließen können. Schon der erste Saal macht den Stilpluralismus klar, der im Hagenbund möglich war: Von dem noch im 19. Jahrhundert verhafteten "Fährmann" von Alexander Demetrius Golz über die spätimpressionistischen Badenden eines Ludwig Ferdinand Graf hin zu expressionistischen und symbolistischen Tendenzen reicht die breite Palette. Die 180 Arbeiten von über 100 Künstlern lassen zwar viele Handschriften und interessante Werke entdecken, aber keine veritablen Stilschöpfungen. Das Besondere an der Schau sind die vielen Leihgaben aus den ehemaligen Kronländern, die den Hagenbund in seiner überregionalen Bedeutung deutlich machen. Die progressive Künstlervereinigung stand Frauen offen und hatte auch einen hohen Anteil an jüdischen Mitgliedern. Der Konkurrenzverein von Secession und Künstlerhaus stellte in der Zedlitzhalle aus, die der Hagenbund aber während des Ersten Weltkriegs verlor.

Für die historische Erforschung der Künstlervereinigung wurde erstmals die Methode der Sozialen-Netzwerk-Analyse des Wiener Instituts FAS Research verwendet. Auf großen, schwarzen Tafeln visualisiert, machen diese Karten zwar schnell deutlich, wie enorm viele Künstler vom Hagenbund ausgestellt wurden. Um die Netzwerke wirklich lesen zu können, bedarf es aber noch mehr Erläuterung.

Belvedere, bis 1.2.


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