Erinnerungen an die Szene-u nd Kultfigur Claus Schöner in der Kunsthalle Graz

Lexikon | Kunstkritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 42/14 vom 15.10.2014

Wenn sich einer mit dem Komparativ positiven Geschmacksurteils den Namen teilt, reicht wohl die egalitärste Aufzeichnung seiner selbst samt Freundeskreis und umliegendem Krimskrams, um dem Titel nach Wohlgefälliges zu zeugen. Kommt dazu noch die unerbittliche Bereitschaft, sein eigenes Leben als Kunstprojekt zu sehen, wird es ernst in Sachen Avantgarde. So vollzogen von und mit Claus Schöner.

Der 1999 verstorbene Polyartist und Medienkünstler hinterließ ein dementsprechend reichhaltiges Œuvre. Gemäß der von ihm 1981 ausgerufenen Kunstrichtung und Gleichung "flat flash = Wohnung +Schöner +Polaroidfotos" besteht es aus massenhaft Videos und Polaroids, die sich als Dokumente zur Grazer Spätboheme, als "Blitzlichter eines verglühenden Milieus" lesen lassen, wie der Untertitel der Ausstellung "Noch Schöner!" verspricht. Alexandra Riewe und Christian Marczik von der Intro-Graz-Spection haben sie konzipiert und die Kunsthalle Graz mit "Installationen aus 3 Kubikmetern Verlassenschaft" möbliert.

Die Unzahl an Beiläufigkeiten, die diese bergen, ergeben ein an Facetten wie Banalitäten reiches Porträt der Szene- und Kultfigur, die nicht nur in Filmen von Herbert Achternbusch und Willi Hengstler, sondern auch in legendären Humanic-Werbespots auftrat, die Vorlage für Figuren in Wolfgang Bauers Dramen abgab, gemeinsam mit Martin Kippenberger und Jörg Schlick Mitglied der sagenumwobenen "Lord Jim Loge" war, sich gar vielfältig - als Autor, Performer, Fotograf und Filmer - betätigte und lautlos sterben wollte.

Kunsthalle Graz, bis 25.10.


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