Niedliche Kritik an Staat und Medien: der Künstler Peter Weibel im 21er Haus

Feuilleton | aus FALTER 43/14 vom 22.10.2014

Im Jahr 1972 fuhr Peter Weibel mit seiner Lebensgefährtin, der Café-Korb-Wirtin Susanne Widl, mit einem Mercedes-Benz in die Wiener Innenstadt. Die Sitze waren mit einer rot-weiß-roten Fahne überzogen, um die Polizei zu provozieren. Das Sitzen auf der Flagge galt nämlich als Herabwürdigung staatlicher Symbole. Das Werk "Privatauto als Staatskarosse" ist nun im 21er Haus zu sehen. Jeder Besucher kann sich in einen alten, beflaggten Mercedes setzen und so den anarchischen Geist der frühen 1970er-Jahre verspüren.

Die von Weibel und dem Belvedere-Vizedirektor Alfred Weidinger zusammengestellte Schau lässt das großteils unbekannte Werk des Künstlers Revue passieren, das von experimenteller Lyrik im Stil der Wiener Gruppe über TV-Produktionen bis zu interaktiven Computerarbeiten reicht. Dass der Multi-Media-Artist im Schatten des Ausstellungsmachers und Theoretikers Weibel steht, hat auch damit zu tun, dass ihm die Ausführung seiner Ideen nicht so wichtig war, viele Konzepte verschwanden


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