Bernard ist wieder in der Stadt

Stadtbahnbogen geht ja doch, wie man am Radetzkyplatz sieht

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 43/14 vom 22.10.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Am Radetzkyplatz hat ein neues Lokal aufgemacht, das sich Garage01 nennt, in einem der Viaduktbögen der Schnellbahntrasse, die den Platz tangiert, und das ist aus mehreren Gründen sehr lässig, die hier nun einer nach dem anderen abgehandelt werden sollen.

Erstens: Viaduktbogen geht ja offenbar doch, auch wenn das nach dem grandiosen Scheitern der Gürtelbögenlokal-Initiative von 2003 irgendwie nicht mehr so recht vorstellbar war. Nur: Hier schrieb man den Lokalbetreibern keine Standardfassaden vor, hier ließ man sie einfach machen, mit dem Effekt, dass aus einer ehemaligen Garage ein ziemlich feines Beisl mit dezenter Grunge-Attitüde, mit Glasfassade, Ziegelwand-Beton-Optik und von Beamern beleuchtetem zentralem Bar-Küchen-Toiletten-Satelliten wurde. Auch nicht schlecht: Die Dämmung funktioniert erstklassig, wenn eine Schnellbahn drüberfährt, hört man höchstens ein leises Rauschen.

Zweitens: Es gibt hier tschechisches Bernard-Bier! Hurra! Das gab’s in Wien bisher erst einmal, nämlich vor ewigen Zeiten im Nordpol. Das Bier stammt aus Humpolec, ist unpasteurisiert, schmeckt herrlich und trinkt sich wie energetisiertes Wasser. Derzeit gibt es eins mit 4,5 % Alkohol und eins mit 4,7 %, im Sommer kommt dann noch ein leichtes Schankbier dazu, von dem könne man dann mehr trinken, so Garage01-Wirt Gustavo Mendez-Liska, „weil ich bin kein Biertrinker, sondern ein Biersäufer.“

Mendez-Liska ist halb Venezolaner, halb Tscheche, ein Prinzip, das sich durch das ganze Lokal zieht: Der Hauptkoch ist Tscheche, ein anderer Koch kommt aus Kuba, die Hilfsköchin ist Spanierin, „ein Mischmasch halt“. Ein großartiges Mischmasch.

Drittens: Die kochen hier ein paar nette Kleinigkeiten, die nicht nur recht gut schmecken und rasch auf dem Tisch sind, sondern – viertens – auch ganz schön wenig Geld kosten. In Wein gegarte Mini-Tintenfische „Moscardini“, zum Beispiel, freilich nicht ganz so gut wie damals bei Petz am Badeschiff, aber immer noch sehr erfreulich (€ 5,60). Und der Rindfleischeintopf war zwar eher ein Erbseneintopf mit Rindfleisch, aber ein echt guter Erbseneintopf mit Rindfleisch (€ 5,80). Die Karte wird immer klein sein, vier, fünf Gerichte, und sich immer danach richten, was gerade da ist, „wenn der Nachbar vom Tschechen, der ein Jäger ist, einen Hasen schießt, gibt’s Hase“, stellt Mendez-Liska klar.

Fünftens sei noch zu erwähnen, dass die Musik ganz schön angenehm ist und offenbar von einem jungen, stillen Mann mit Mütze gecheckt wird, der da an einem Laptop steht und sich auch um die Visuals kümmert. Sechstens stammt der Kaffee vom Traditionsröster Mocca Brasil vom Rennweg. Und siebtens ist das ein völlig angenehmes, unprätentiöses, ungezwungenes Lokal, das sich zweifellos recht gut in diesen Platz fügen wird.

Resümee:

Ein neues Lokal mit dem schlichtesten aller Konzepte – gutes, günstiges Essen, großartiges Bier und feine Musik. Mehr braucht’s ja nicht.

Garage01
3., Radetzkypl., Bogen 5
Tel. 01/308 45 03
Di–Sa 8.30–24 Uhr
www.garage01.com


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