Kommentar Burgtheater

Manchmal braucht es Mut, die richtige Entscheidung zu treffen

Falter & Meinung | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 43/14 vom 22.10.2014

Als Karin Bergmann vorige Woche definitiv zur neuen Burgtheaterdirektorin berufen wurde, war das offensichtlich die naheliegendste, beste Lösung. Genau so eine, wie sie im Burgtheater jetzt gebraucht wird. Bergmann sagt klar, was Sache ist, und sie weiß, wovon sie spricht. Beides ist in einem Metier, in dem Selbstdarstellung und Phrasendreschen weit verbreitet sind, keine Selbstverständlichkeit.

Sie ist keine Regisseurin, kann sich also ganz ihrem Job als Intendantin widmen. Sie übt diesen Job in schwierigen Zeiten aus: Es muss gespart werden, aber Bergmann genießt intern so viel Rückhalt, dass auch unangenehme Entscheidungen nicht gleich das Arbeitsklima vergiften werden.

Bergmann ist angenehm uneitel, aber durchaus ehrgeizig. Als erste Frau an der Spitze des Burgtheaters will sie jetzt auch zeigen, dass sie's mindestens so drauf hat wie die Macker mit der dicken Hose. Schon deshalb war es richtig, sie nicht nur die Dreckarbeit machen zu lassen, sondern ihr auch die Zeit zu geben zu gestalten.

Als die Entscheidung bekannt wurde, gab es sogar auf der Pressekonferenz Applaus. Viele Journalisten waren wohl erleichtert, dass sie sich getäuscht hatten. Irgendwie hatte man damit gerechnet, dass Minister Josef Ostermayer es nicht riskieren würde, eine Frau zu nominieren, deren enge Verbundenheit mit dem Burgtheater sie einerseits zwar prädestiniert für den Posten, sie andererseits aber auch belastet. Matthias Hartmanns Spindoktoren hatten zuletzt ja eifrig versucht, Bergmann anzuschwärzen.

Der Applaus galt also nicht nur Karin Bergmann, sondern auch einem Kunstminister, der sich seine Favoritin nicht madig machen ließ und den Mut hatte, die richtige Entscheidung zu treffen.


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