Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Ermittlungen: Ex-Stiftungsvorstand fühlt sich von Meschar verleumdet

Politik | WOLFGANG ZWANDER | aus FALTER 43/14 vom 22.10.2014

Der Rechtsstreit zwischen Gertrud Meschar und dem FPÖ-Nationalrat Martin Graf findet kein Ende, wird dafür aber immer skurriler. Seit nunmehr zwei Jahren prozessieren Graf und Meschar um die Frage, ob der blaue Politiker die alte Dame über den Tisch gezogen hat. Oder anders ausgedrückt: ob Graf als Vorstand der Meschar-Privatstiftung zum Nachteil von Meschar gehandelt hat.

Jetzt wurde in dem Rechtsstreit eine neue Front eröffnet, die alle bisherigen Entwicklungen auf den Kopf stellt: Meschar selbst wird von der Staatsanwaltschaft nun als Beschuldigte geführt, weil sich einer ihrer Ex-Stiftungsvorstände von ihr verleumdet fühlt.

Am 21. Oktober (nach Falter-Redaktionsschluss) sollte sie von der Staatsanwaltschaft Wien vernommen werden, wobei sie ankündigte, den Termin nicht wahrzunehmen; die 92-Jährige legte ein ärztliches Gutachten vor, demzufolge im Falle einer Vernehmung mit "wesentlicher gesundheitlicher Schädigung" zu rechnen sei.

Wie ist es dazu gekommen, dass Meschar nun als Beschuldigte geführt wird? Um das zu verstehen, muss man ein wenig ausholen: Ursprünglich hatte Meschar Graf und den zwei weiteren Ex-Stiftungsvorständen, dem FPÖ-Politiker Alfred Wansch und dem Rechtsanwalt Michael Witt, vorgeworfen, sie hätten sie im Jahr 2006 überredet, ihr Vermögen in eine Stiftung zu geben, ihr Geld sei danach aber schlecht veranlagt worden.

Im August dieses Jahres nahm der Rechtsstreit um Meschars Stiftung scheinbar ein Ende, als die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen Graf und Co einstellte, weil die Veranlagung doch in Ordnung gewesen sei. Meschar-Anwalt Georg Zanger stellte aber im September einen Fortführungsantrag, unter anderem, weil es bereits 2006 bei der Erstellung der Stiftungsurkunde zu einer Urkundenfälschung gekommen sein soll.

Davon fühlt sich nun wiederum Witt verleumdet, weshalb die Staatsanwaltschaft die fast 93-Jährige jetzt als "Beschuldigte" führen muss.


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