Tiere

Kill & Grill

Falters Zoo | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 43/14 vom 22.10.2014


Die Statistik Austria meldete, dass die Abschüsse im Jagdjahr 2013/14 um 20 Prozent gesunken wären. Das freut Menschen wie meinereinen, der nicht sofort nach Waffengewalt verlangt, wenn Wildtiere in seiner kleinen Schrebergartenwelt Löcher graben, Knospen abbeißen oder auf sonst irgendeine Art verfassungsrechtlich festgeschriebene Eigentumsrechte missachten. Doch beim Weiterlesen erschruk ich so, dass sich sogar harmlose Verben stark beugten: Diese verringerte Gesamtzahl der in einem Jahr gejagten Tiere betrug immer noch 719.000 „Stück“. Von diesen Tieren trugen ca. 330.000 ein Geweih und ich frage mich, über welche Raumkapazitäten die österreichischen Zirbenzimmer und Jagdstüberln verfügen, um jährlich solche Mengen von Trophäen aufzuhängen. Oder werden diese knochigen Überreste exportiert?

Rätselhafte Welt der Jagdleidenschaft, die in unserem Land immerhin 18.200 Menschen erfasst, die somit im Jahr pro Person durchschnittlich 40 Tiere abschießen. Nur 533 davon üben dies als Beruf aus. Und auch bei diesen – amtssprachlich so bezeichneten – Jagdschutzorganen gab es einen zahlenmäßigen Rückgang um 16 Prozent. Die Statistik Austria fügte hinzu, dass daran „jedoch nicht das schlechte Wetter oder der Autoverkehr“ Schuld hätten.

Diese Nicht-Gründe wirken so isoliert zitiert etwas komisch, aber tatsächlich sind Autofahrer mengenmäßig Jagdkonkurrenten: 128.000 Tiere wurden auf der Straße getötet. Offiziell, denn weniger als zwei Prozent der Wildunfälle werden registriert. Läuft einem ein Marder vor die Stoßstange oder knallt einem eine Meise an die Windschutzscheibe, gilt die Delle als Bagatelle und wird nicht erhoben. Dabei ist der Straßenverkehr für manche Tierarten wie Luchs, Dachs oder Feldhase die häufigste Todesursache und ist für mehr als 50 Prozent der Gesamtsterblichkeit verantwortlich.

Der Deutsche Jagdverband beklagt, dass mittlerweile in Nordrhein-Westfalen jedes dritte Reh von Autofahrern „erlegt“ wird. Bei dieser Methode dürfen die Tiere dann aber nicht mehr verkauft oder verzehrt werden, sondern werden in der Tierkörperverwertung entsorgt.

Der anglophone Mensch, der bekanntlich zu Direktheit neigt, nennt daher alle auf der Straße gefallenen Tiere „roadkill“. Und noch direkter ist dann der Slogan des Roadkill Café in Arizona: „You kill it, we grill it“.


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