Juden im Krieg für Kaiser Franz Joseph

Der Militärhistoriker Erwin A. Schmidl schrieb ein Buch darüber, wie die Armee der Habsburger mit ihren jüdischen Soldaten umging

Politik | REZENSION: NORBERT MAPPES-NIEDIEK | aus FALTER 43/14 vom 22.10.2014

Judenzählung" nannte sich ein Unterfangen, mit dem das deutsche Heer im Kriegsjahr 1916 angeblich dem verbreiteten Vorurteil entgegentreten wollte, Juden wollten sich vor dem Wehrdienst drücken oder trieben sich in der Etappe herum.

Alle Einheiten hatten zu melden, wie viele "Personen jüdischen Stammes" sich in ihren Reihen befanden, wie viele an der Front kämpften oder in der Schreibstube Dienst taten. Merkwürdigerweise waren gerade die Antisemiten sehr für die Erhebung, Sozialdemokraten und Liberale dagegen.

Letztere behielten Recht: Offiziere nutzten die Gelegenheit, selbst zu bestimmen, wer Jude war, und deklarierten sogar Verwundete zu "Etappenhengsten". Das umfangreiche, aber wertlose Material wurde dann nicht veröffentlicht - was die Antisemiten wiederum als Indiz dafür nahmen, dass die Ergebnisse ihr Vorurteil wohl allzu deutlich bestätigt hätten.

In Österreichs Armee war die Atmosphäre eine ganz andere. Während in Preußen vor 1914 kein einziger Jude auch nur Leutnant


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