Tosca als allzu leichter Spielball zwischen kraftvollen Rivalen an der Oper Graz

Lexikon | Opernkritik: Herbert Schranz | aus FALTER 43/14 vom 22.10.2014

Alle drei Hauptrollen von Giacomo Puccinis "Tosca" (23.10., 19.30 und So 18 Uhr) wurden in Rollendebüts besetzt. Der Grieche Demos Flemotomos stieg mit der gleichen Frische in die Rolle des Malers Cavaradossi wie Wilfried Zelinka in die des üblen römischen Polizeichefs Scarpia. Cavaradossi ist ein Freund des zu ihm geflohenen römischen Ex-Konsuls Cesare Angelotti (Umut Tingür). Beide sympathisieren mit Napoleon Bonaparte. Ihnen entgegen steht, aufseiten des Kirchenstaats, der sadistische Baron Scarpia, der ein Auge auf Cavaradossis Geliebte geworfen hat, die Sängerin Floria Tosca.

In dieser Rolle fand die Slowakin Andrea Danková darstellerisch kaum Anschluss an das Kräftespiel der Männer, das sie am Ende zermalmt. Den empörten und listigen Mord an Scarpia, den Zelinka in lebhaftesten Nuancen der Bosheit porträtierte, nimmt man ihr als Ausführende nicht ab. Demos Flemotomos zeigte Cavaradossi als ruhige Lichtgestalt. Seine Schlussarie "E lucevan le stelle" sang er lakonisch und introvertiert.

Einige Darstellungsfehler unterliefen dem Regisseur Alexander Schulin mit dem Bühnenbildner Alfred Peter. So etwa, dass Cavaradossi eine oströmische Kirchenmosaikwand bemalt -Mosaike werden gesetzt. Oder dass der Maler vor seinem "Mosaikgemälde" in der Kirche erschossen wird. Dass das nüchterne Dienstzimmer Scarpias zum Zeichen der Machtverschränkung auch wie als Kirchenaltar erscheint, ist sprechend. Dass die Kirche aber als Richtplatz fungiert, wirkt überspannt. Und die Grazer Philharmoniker unter Dirk Kaftan begleiteten distanziert und wirkten an wichtigen Stellen zu wenig gebündelt.


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