Urbanes Betragen

Benimmfibel für Großstadtmenschen (187)

Stadtleben | aus FALTER 43/14 vom 22.10.2014

Frau S. fragt, ob sie ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn sie sich an einem herbstlichen Wochenend-Sonnentag zu jemand Unbekanntem auf die Parkbank setzt, weil alle Parkbänke besetzt sind, und diese Person ein paar Minuten später wortlos aufsteht und, vermutlich bedingt durch ihr Eindringen in die Parkbank-Privatsphäre, geht.

Ihre überdurchschnittliche Sensibilität, die Sie diese Koinzidenz hat bemerken lassen in allen Ehren, werte Frau S., wenn Sie nun aber tatsächlich das schlechte Gewissen plagt, würde Ihnen eine zusätzliche Portion Selbstsicherheit gewiss auch gut zu Gesicht stehen. Immerhin ist die Privatsphäre im öffentlichen Raum relativ begrenzt, und nachdem Sie bestimmt nicht laut gefurzt, gerülpst und herumgepöbelt haben, um Ihren Sitznachbarn zu vertreiben, endete seine nun einmal da, wo Ihre begann. Hält man so viel Nähe nicht aus, muss man eben das Feld räumen oder daheimbleiben.

Noch Fragen? stadtleben@falter.at


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