In die Haut des anderen schlüpfen

Manche haben eine dünne, andere eine dicke - das Festival Queerograd untersucht die Haut als Grenze des Körpers

Lexikon | Tiz Schaffer | aus FALTER 43/14 vom 22.10.2014

Unsere Haut grenzt uns vor anderen ab, sie ist sozusagen die letzte Instanz vor der Außenwelt. Aber sie hat nicht nur Schutzsondern auch Kontaktfunktion. Und wiegt einige Kilogramm. Sie wird im Mittelpunkt der heurigen Ausgabe des Festivals Queerograd stehen, das zum sechsten Mal stattfindet. Und zwar, wie es dem Pressetext zu entnehmen ist, als "Identitätskriterium, als Kunstgegenstand sowie als Abbild sozialer Polarisierungen".

Das Festival beruft sich auf François Pluchart und dessen "Erstes Manifest der Body Art", mit dem er 1974 den "Anspruch auf die Unmittelbarkeit der eigenen körperlichen Erfahrung als politische Notwendigkeit" postulierte. Viele Jahre später, so heißt es, gilt der Einsatz der "Körperkunst", vor allem in queeren Gefilden, der Untersuchung sowie Überschreitung von Grenzen - vor allem räumlichen und kulturellen sowie psychosozialen.

Einer solch komplexen Materie als Künstler oder Musiker beikommen? Sicher, aber ein wenig Unterstützung schadet nie. Deshalb werden beim Festival auch Aktivisten und Wissenschaftler zugegen sein.

Das dreitägige Programm ist dicht, von den Formaten her vielfältig und nicht zuletzt vielversprechend. Lectures und Talks gestalten etwa der Individualperformer Didi Bruckmayr oder die Musikerin und Genderforscherin Sol Haring. Bruckmayr wird über Gestaltungsmöglichkeiten der Haut wie etwa Tattoos aus der Schule plaudern. Haring wird über die Haut im Zusammenhang mit dem Älterwerden nachdenken (31.10, 18 Uhr). Gespannt darf man auf Maria Jiku sein, die japanische Domina wird eine Bondage-Performance (31.10, 20.30) und einen Bondage-Workshop (1.11., 14.30) abhalten. Ein gut geschnürtes Paket!

Eröffnet wird mit einer Ausstellung (Do, 18 Uhr), mit dabei etwa Nicole Pruckermayr, Maryam Mohammadi oder Leni Kastl. Jeden Tag wird bis 22 Uhr diskutiert, performt und vorgetragen. Dann beginnt die Nightline, vor allem mit musikalischen Acts wie Just Friends and Lovers, Ana Threat oder Bird of the Year.

Volkshaus, Graz, 30.10-1.11


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